Amazon: Bewertungen und Rezensionen

Zu viele Bestnoten

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KONSUMENT 9/2014 veröffentlicht: 14.07.2014, aktualisiert: 07.11.2014

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Konsumenten lieben Kundenbewertungen auf Einkaufsplattformen wie z.B. Amazon. Viele sind jedoch unsauber und manipuliert. Händler bieten Gratisprodukte, es gibt auffällig viele Bestnoten und wer etwas Kritisches veröffentlicht, muss mit Ärger rechnen.

Kundenrezension und Bewertung bei Amazon (Bild: Screenshot bei Amazon, 11.7.2014)

Rund 70 Prozent der Konsumenten geben an, Bewertungen (Sterne) und Rezensionen zu nutzen und ihnen zu trauen. Das wissen auch Hersteller und Handel. Nach Schätzung von Experten sind 20 bis 30 Prozent der veröffentlichten Produktbewertungen sogenannte "Fakes" (engl. fake = Fälschung, Imitation, Schwindel) - also Bewertungs-Betrügereien unterschiedlicher Ausprägung. Viele Konsumenten wissen das nicht. Wir sagen Ihnen, woran man Fakes erkennen kann und was sonst noch so läuft im Bewertungsdschungel von Amazon – und wohl auch bei anderen. - Lesen Sie auch Android: Bedrohung durch Fake-Apps 7/2014

Bewertungen können für Käufer sinnvoll sein …

KONSUMENT sieht die Beurteilung von Produkten durch die Verbraucher als wertvolle Ergänzung zu den eigenen Labor- und Praxistests. Sie sind aber nur dann sinnvoll, wenn sie redlich und unbeeinflusst zustande kommen. Hersteller, Händler oder Eigenheiten des Bewertungssystems sollten keine Rolle spielen. Nur dann kann der Kunde den Bewertungen vertrauen. Das ist auch der Grund dafür, warum es in der gedruckten Ausgabe von KONSUMENT und hier auf konsument.at keine Werbung gibt (mehr dazu unter: FAQ zu KONSUMENT).

Bei Kundenbewertungen auf Kaufportalen ist das aber bei Weitem nicht immer der Fall, wie unsere Recherche am Beispiel Amazon zeigt.

… lukrativ für Anbieter sind sie immer

Nach einer von "BIG Social Media" beauftragten Studie verkaufen sich bewertete Produkte um 200 Prozent besser als solche ohne Bewertung. Finden sich gar mehr als 50 Kundenmeinungen, hebt das den Absatz nochmals um 63 Prozent (im Vergleich zu nur ein bis fünf Bewertungen). Mehr dazu auf Die Macht der Produktbewertung.

Top-Ergebnisse sind die Regel

Erste Auffälligkeit: Rund zwei Drittel der Produkte auf den diversen Verkaufsplattformen werden mit der jeweiligen Höchstnote bewertet. Entspricht das den Alltagserfahrungen von Konsumenten? Besteht die moderne Warenwelt tatsächlich aus so vielen exzellenten Angeboten? Unsere KONSUMENT-Tests stützen diese Annahme nicht, leider.

 


 

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Kommentare

  • Übersetzung von "Mascherl"
    von Greendaddy am 29.08.2014 um 10:41
    Nur der guten Ordnung halber für die Leser aus der Bundesrepublik nördlich des Mains: In diesem Zusammenhang finde ich die Übersetzung "Schleife" passender als "Fliege". Wie im Text erwähnt: In der Redewendungen "Rezensionen haben kein Hascherl" oder sehr gebräuchlich "Geld hat kein Hascherl" ist ein sichtbares Zeichen gemeint und nicht das Bekleidungsaccessoir. Wie zum Beispiel in "Haar-Mascherl". Das wäre dann die "Haar-Schleife" und keine "Haar-Fliege". (-
  • Verlage motivieren zu Eigen-Reviews
    von aschatt am 28.08.2014 um 13:04
    Vielleicht ein ergänzender Kommentar: Vor wenigen Jahren habe ich ein Buch bei einem der renommiertesten deutschen Wissenschaftsverlage veröffentlicht. Im Rahmen der Marketingmaßnahmen wurde mir vom Verlag dringen angeraten "Kollegen, Freunde und Bekannte" zu motivieren, mein Buch auf Amazon zu bewerten... Ich bin dem Ratschlag (wohl zu meinem eigenen Schaden) nicht gefolgt, gehe aber davon aus, dass dies eine systematische Vorgehensweise von Verlagen und anderen Produzenten ist. Anders gesagt: positive Kommentare auf Handels- oder Tourismus-Plattformen kann man getrost ignorieren, sie sind nahezu wertlos. Ich lese fast ausschliesslich die negativen Bewertungen zumindest jene, die konstruktiv und informiert wirken. Damit kann man eventuell einen Eindruck der möglichen Probleme und Nachteile des jeweiligen Produktes/Angebotes erahnen.
  • @ "Verifizierter Kauf"
    von NETclub50plus am 05.08.2014 um 21:45
    Diese Kennzeichnung ist nur recht beschränkt hilfreich: Wer eine Fake-Rezension beauftrag würde wohl den Preis für den Kauf der Ware mit in die Kalkulation für die "Werbemaßnahme" einbeziehen...
  • ´Verifizierter Kauf´
    von 39373 am 05.08.2014 um 13:14
    Seit einiger Zeit werden Rezensionen von Kunden, die ein Produkt auf amazon tatsächlich gekauft haben, entsprechend markiert, das ist wahrscheinlich die hilfreichste Möglichkeit, gefälschte Bewertungen zu erkennen, wobei es natürlich nicht ausgeschlossen ist, dass jemand ein Produkt anderswo erstanden hat und die Beurteilung trotzdem ehrlich ist...
  • Love it!
    von chris1976 am 18.07.2014 um 15:13
    Im Fernsehen gab es dazu vor einiger Zeit einen Beitrag auf "Stern TV", der von denen beworbene Fake Musiker steht bis heute auf Amazon(plus unzählige Kommentare). http://www.amazon.de/Love-Rock-Prince-one/dp/B00JPJFCZ0/ref=cm_cr_pr_pb_t
Bild: VKI