Carsharing: car2go

Smart unterwegs

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veröffentlicht: 02.04.2012

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Ein neuer Carsharing-Anbieter wirbt in Wien um Kunden.

"Einsteigen und gratis parken" – damit wirbt der neue Autoverleih car2go. Seit 5. Dezember 2011 stehen auf Wiens Straßen und Plätzen 500 Kleinwagen (Smart fortwo) und können von registrierten Kunden benützt werden. Braucht man den Wagen nicht mehr, stellt man ihn einfach ab. Hinter car2go steht der Smart-Hersteller Daimler Benz, der dieses System entwickelt hat.

Anmeldung nötig

Ehe man losfahren kann, muss man sich online registrieren. Dies kostet 9,90 Euro, man muss mindestens 19 Jahre alt sein und seinen Führerschein mindestens ein Jahr besitzen. Nach der Registrierung holt man seine Membercard im car2go-Shop (Hintere Zollamtsstraße 9 in Wien). Mitgliedsbeiträge gibt es keine. Wenn man einen Wagen mieten will, sucht man im Internet (Apps für Smartphones stehen zur Verfügung), wo der nächste freie Smart steht. Mit der Membercard öffnet man den Wagen, und kann losfahren. Vorbestellen kann man nur 15 Minuten vor Fahrtantritt – schließlich ist "größtmögliche Flexibilität" ein Werbeargument des neuen Autoverleihs.

Parken doch nicht gratis

"Gratis parken" bezieht sich darauf, dass man in Wiener Kurzparkzonen keinen Parkschein benötigt. car2go zahlt nämlich an die Stadt Wien eine Pauschalgebühr fürs Parken. Benötigt man das Auto nicht mehr, stellt man es einfach ab und versperrt es mit der Membercard. Kostenlos ist Parken aber dann nicht, wenn man das Auto stehenlässt, um damit  - etwa nach einem Einkauf – später weiter zu fahren und sich nicht abmeldet. Abgerechnet wird nämlich nicht nach Kilometern, sondern nach Zeit: eine Minute fahren kostet 29 Cent (eine Stunde 12,90 Euro), eine Minute Fahrtunterbrechung 9 Cent (eine  Stunde 5,40 Euro). Zum Vergleich: in Wien kostet ein Parkschein für eine Stunde zwei Euro, kommt also günstiger.

Nur im innerstädtischen Bereich

Das Auto für den nächsten Kunden stehenlassen kann man nur im so genannten Geschäftsgebiet von car2go.  Dieses erstreckt sich ungefähr von der Maroltingergasse im Westen bis zur Praterbrücke im Osten und von der Raxstraße im Süden zur Donaufelder Straße im Norden. In weiten Teilen der Außenbezirke kann man das Auto also weder ausleihen noch zurückgeben. Gedacht ist das neue System daher für kurze Fahrten im innerstädtischen Gebiet, Fahrten außerhalb von Wien sind jedoch erlaubt. Die Fahrzeuge werden, wenn sie gerade nicht verliehen sind, vom car2go-Team betankt und geputzt. Sollte doch einmal das Benzin ausgehen, befindet sich eine Tankkarte an Bord. Die Fahrzeuge sind vollkaskoversichert, der Selbstbehalt beträgt 500 Euro.

Beschränkt sinnvoll

Nach Angaben des Verkehrsclub Österreich werden in Wien bereits über 70 Prozent aller Alltagswege nicht mit dem Auto, sondern zu Fuß, mit Öffis oder dem Fahrrad zurückgelegt. Weit weniger als die Hälfte aller Wienerinnen und Wiener besitzen ein Auto. Carsharing wäre daher für Großstadtbewohner durchaus eine Option, weil es das Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln ergänzt (etwa bei größeren Transporten, Fahrten mit Kindern oder in Stadtrandgebieten). Genau das aber funktioniert mit diesem neuen Angebot nicht: Für Transporte sind die Smarts zu klein, Kinder, die einen Kindersitz brauchen, kann man nicht mitnehmen, und in Randlagen kann man die Wagen weder ausleihen noch zurückgeben. Im innerstädtischen Bereich aber sind Öffis, besonders die U-Bahn, oft schneller als jedes Auto. Und schließlich gibt es auch Taxis. Die sind zwar teurer also car2go, dafür kommen sie schneller voran, weil sie die Busspuren benützen dürfen. Und der Kunde muss nicht selbst am Steuer sitzen.

Einstiegsdroge Auto

Wegen dieser Einschränkungen handelt es sich nicht um das übliche Carsharing. Daimler zielt mit diesem Angebot auf  junges, urbanes Publikum. Die Hälfte aller car2go-Kunden ist unter 35 Jahre alt. Auch die Notwenigkeit der Fahrten muss hinterfragt werden: 80 Prozent der Ausleihungen dauern nicht länger als 45 Minuten, die gefahrenen Kilometer bewegen sich meist im einstelligen Bereich -  Strecken, die man eigentlich auch per pedes bewältigen könnte. Offenbar soll jungen Menschen mit diesem Angebot wieder das Autofahren schmackhaft gemacht werden. Umweltfreundlichkeit schaut anders aus: Vor kurzem startete EMIL in der Stadt Salzburg: Bei dieser Carsharing-Firma, gegründet von REWE und Salzburg AG, fahren die Autos mit Ökostrom.

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Kommentare

  • Konkurrenz sollte das Geschäft beleben
    von 39373 am 10.04.2012 um 10:57
    Ich kann Ihre Kritik nur unterstreichen. Das Mieten der car2go-Autos ist zwar bestechend einfach - wenn man auf der Straße eines sieht, braucht man nur hinzugehen und mit der Kundenkarte einzusteigen - allerdings ist es in Wahrheit eine Luxusspielerei. Ich schätze, dass die allermeisten Nutzer entweder ohnehin ein eigenes Auto haben oder - so wie ich - bisher problemlos mit den öffentlichen Verkehrsmitteln und den eigenen Beinen ausgekommen sind. Wenn man die Kosten mit dem einzigen echten Carsharing in Wien (Denzel) vergleicht, so stellt man fest, dass die Minutenmiete alles andere als billig ist. Gerade bei Kurzstrecken steht man (an Ampeln bzw. im Stau) mehr, als man fährt. Ein kombinierter Tarif (Zeit und gefahrene Kilometer) ist günstiger. - Zu hoffen ist allerdings, dass durch diese Konkurrenz das Denzel-Carsharing endlich attraktiver wird, insbesondere durch mehr Standplätze und die Möglichkeit, das Auto an einem anderen Ort als bei der Übernahme zurückzugeben.
Bild: VKI