Fluglinien im Ethik-Test

Bruchlandung beim Klimaschutz

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Konsument 6/2010 veröffentlicht: 19.05.2010

Inhalt

  • Die Luftfahrtindustrie ist einer der größten Umweltverschmutzer
  • Geringe Bereitschaft zu erforderlichen Einschränkungen
  • Welche Fluglinien in einer gesamthaften Ethik-Beurteilung vorne liegen

Die Luftfahrtindustrie gerät ins Schwärmen, wenn es um die Darstellung ihrer Umweltaktivitäten geht. Auf einer eigenen Homepage feiert sie ihre „klare Vision für einen sauberen Himmel“ ab. Ohne Umschweife werden die Besucher gleich eingeladen, in den Chor mit einzustimmen: „Werden Sie Fan“, lautet die klare Aufforderung.

Die Billigfluglinie EasyJet warb lange Zeit mit der kühnen Behauptung, Fliegen mit EasyJet sei besser für die Umwelt als Fahren mit einem Hybridauto. Dafür ist die Airline auch zu den fünf größten „Grünwaschern“ des Jahres 2009 gekürt worden. Das sind Unternehmen, die mit plumpen Werbesprüchen versuchen, ihre Umweltsünden zu kaschieren.

Starke Lobby gegen Klimaschutz

Seriöse Schätzungen weisen in eine andere Richtung. Demnach emittiert ein Flugpassagier zweimal so viel Kohlendioxid wie ein Autoinsasse und sogar sechsmal so viel wie ein Benutzer öffentlicher Verkehrsmittel. Und es ist nicht nur das Kohlendioxid, das die Erdatmosphäre bedroht. Es geht auch um Stickoxide und Rußpartikel, vor allem auch um den Ausstoß von Wasserdampf in großer Flughöhe.

Die Bildung von Zirrus- (oder Feder-)Wolken hat potenziell einen sehr starken Klimaeffekt, lässt sich aber schwer quantifizieren. Annähernd fünf Prozent der gesamten vom Menschen verursachten Klimaerwärmung gehen auf das Konto der Luftfahrt. Der Luftfahrtweltverband IATA will ab dem Jahr 2020 CO2-neutral wachsen. Das soll mithilfe von Biodiesel, treibstoffarmen Flugzeugen und Streckenbereinigungen gelingen.

ETS-Emission Trading System

Bill Hemmings, Luftfahrtexperte des europäischen Umweltverbandes Transport & Environment, hält das für unglaubwürdig. Die Luftfahrtindustrie, meint er, habe Bemühungen, die Luftfahrt in den Emissionshandel einzubeziehen, bis zuletzt torpediert.

Erst vor Kurzem hat die EU diesen Plan endlich beschlossen, ab Anfang 2012 unterliegen alle Flüge, die in einem Land der EU starten oder enden, dieser Bestimmung, mit deren Hilfe die Emissionen schrittweise reduziert werden sollen (ETS – Emission Trading System). 

 

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Kommentare

  • AW: Warum nicht Flyniki
    von REDAKTION am 15.06.2010 um 11:38
    In einer internationalen Kooperation wurden an die 30 Fluglinien getestet, Flyniki ist vergleichsweise unbedeutend und daher nicht in den Test mit einbezogen worden. Leider können wir aus finanziellen Gründen keine eigenen Tests durchführen, nur wenn die Kosten auf mehrere Partner verteilt werden, sind seriöse (und damit entsprechend aufwändige) Tests durchführbar. Das Ergebnis eine Flyniki-Überprüfung würde jedenfalls keine Überraschung bringen. Die Arbeitsbedingungen sind auch bei anderen Low-Cost-Carriern schlecht im Bereich Umwelt, der ja stärker gewichtet ist, ist die Fluglinie als unauffällig zu bezeichnen. Es ist wohl anzunehmen, dass sich Flyniki in die große Gruppe der durchschnittlichen Airlines einreihen würde... Ihr Konsument-Team
  • Warum wird FlyNiki nicht getestet?
    von slenz am 27.05.2010 um 23:27
    Warum wird FlyNiki erspart, aufgrund der katastrophalen Beschäftigungsbedingungen (fast ausschließlich Leihpersonal ohne langfristige Perspektiven) im Test schlecht abzuschneiden. Die Arbeitsbedingungen bei Niki zählen zu den schlechtesten in Europa.
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