Kunde König: Autonavigationsanlagen

Unterhaltung am Steuer

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Konsument 3/2005 veröffentlicht: 18.02.2005

Inhalt

Ein satirischer Kommentar von Alois Grasböck.

Wie ein Raumfahrzeug

Das Auto wird zunehmend zum Raumfahrzeug, leider mit der Schwachstelle, dass auf den Straßen nicht so viel Platz ist wie im Weltall.

Sonst ist in vielen Modellen alles da. Beschleunigung, dass einem flau im Magen wird. Ein Hitzeschild, sprich Klimaanlage. Ein computergesteuertes Triebwerk sowie Funkverbindung beziehungsweise Handy. Und ein satellitengestütztes Navigationssystem.

Navigationssystem für Pendler

Letzeres ist ein Segen für ortsunkundige Taxler und Vielfahrer. Wo aber fährt der durchschnittliche Lenker jahrein, jahraus? Er fährt auf den immer gleichen Wegen, die ihm das Leben vorgezeichnet hat. Was soll ein Pendler, der seine ewige Strecke schon besser kennt als seine Frau, mit einem Navigationssystem?

Nun, es könnte ihn dazu bewegen, die ausgefahrenen Geleise einmal zu verlassen und das Abenteuer eines Umweges zu suchen. Einfach nur, um zu sehen, ob das Ding auch funktioniert, wenn’s darauf ankommt. Dabei stellt er sich vor, die Wegweiser wären unsichtbar…

In solchen Fällen erfüllt die Navigation einen ihrer wesentlichen Zwecke: den Unterhaltungswert des Autos zu erhöhen. Weil das Fahren allein schon viel zu selbstverständlich und oft sogar erschütternd langweilig ist.

Etwas, das funktioniert

Wohl dem, der im Stau steht, während ihm das Autoradio erzählt, dass er im Stau steht, worauf er per Handy wo anruft und erzählt, dass er im Stau steht … wohl dem also, dessen Auto zusätzliche Ablenkung bietet. Einen Bordcomputer, der die Durchschnittsgeschwindigkeit ausrechnet. Ein Navi-System, das schön brav auf die nächste Abzweigung wartet. Es hilft nicht viel, aber es tröstet ein wenig. Immerhin etwas, das funktioniert.

Alois Grasböck

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