ÖBB: Bahnreisen

Schnäppchen auf Schiene

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Konsument 7/2006 veröffentlicht: 21.06.2006

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Die Fülle an Sondertarifen für Bahnfahrten ins Ausland ist verwirrend. Wir geben eine Orientierungshilfe.

Bahn oder Flug?

Der internationale Bahnverkehr ist kein Vorreiter der Idee eines vereinten Europa. Viele potenzielle Bahnkunden wandern im Bermudadreieck von teurem Standardtarif, oft ausverkauftem Lockangebot „SparSchiene ab 29 €“ und zahllosen Sondertarifen an die Konkurrenz Billigflieger ab. Bahnfahrgästen ist ein selbstständiges Orientieren im Tarifdschungel nur bruchstückhaft möglich.

Höherer Standardpreis ins Ausland

Die ÖBB setzen bei der Tarifgestaltung auf die Werbewirksamkeit von Sonderangeboten. Dahinter steht ein überhöhter Auslands-Standardpreis, von dem sich leicht rabattieren lässt. Doch das bekommt der Durchschnittsfahrgast nicht mit: Fährt man ins Ausland, sind die in Österreich gefahrenen Bahnkilometer merklich teurer als bliebe man im Inland. 100 Bahnkilometer kosten dann etwa 17,60 statt 15,90 Euro. Eine international übliche Praxis. Besonders krass ist der Unterschied etwa in den ehemaligen Ostländern wie Tschechien und Ungarn. Das Rabattierungsfeuerwerk verliert vor diesem Hintergrund deutlich an Glanz.

Kampfpreise: Tickets ab € 29,00

Das „Ab 29 €“-Zuckerl SparSchiene (nach Budapest ab 19 Euro) ist die Speerspitze im Preiskampf mit den Billigfliegern. Mit dem SparSchiene-Ticket legt man sich – oft bereits Wochen im Voraus – auf einen bestimmten Zug fest. Nur wer möglichst stundengenau den Zeitpunkt trifft, wann die Schnäppchen erstmals am Markt sind, kann auch an begehrten Tagen ein Billigticket erhaschen. Doch je nach Zielland liegt dieser Zeitpunkt zwischen zwei und sechs Monaten vor Abfahrt. Der Haken bei der Sache: Wer so früh die Hinreise kauft, weiß noch nicht, ob ihm das auch für die Rückreise gelingt oder ob er dafür nicht deutlich mehr wird bezahlen müssen. Rückgabe oder Umtausch eines einmal gekauften „SparSchiene“-Tickets gibt es nicht.

Lockangebote genau studieren

Für mittlerweile neun Länder – Deutschland, Italien, Schweiz, Frankreich, Polen, Kroatien, Slowenien, Ungarn und Slowakei – kann in bestimmten Zügen (meist Nachtzügen) ein Sitzplatz so billig gebucht werden. Für einen Liegeplatz bewegt sich der SparSchiene-Preis von 39 Euro für den 6er-Liegewagen (Italien: 49 Euro) bis 129 Euro für den Single-Schlafwagen. An stark nachgefragten Tagen (Ferienbeginn, verlängerte Wochenenden ...) ist das Kontingent der Billigplätze von Haus aus sehr klein, da es laut ÖBB nach der zu erwartenden durchschnittlichen Auslastung der Züge tageweise unterschiedlich festgelegt wird. Dies verschweigen die ÖBB in ihrer Werbung und wecken so bei vielen Bahnkunden falsche Erwartungen, die letztlich zu Frust über die unerreichbaren Lockangebote führen.

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Bild: VKI