ÖBB: Die Fülle der Tarife

Preismysterien

Seite 1 von 2

Nächsten Inhalt anzeigen
Konsument 11/2005 veröffentlicht: 13.10.2005

Inhalt

  • Spezialpreis durch Streckenstückelung
  • Nach Sonderangeboten fragen
  • Gemeinsames Reisen macht Bahnfahren oft billiger

Auf Auskunft angewiesen

Jede neue ÖBB-Führung tritt mit der Ansage an, den Tarifdschungel endlich lichten zu wollen. Und erfindet stets noch ein paar Angebote dazu. Das Ergebnis ist eine Tarifvielfalt, die dem Durchschnittsfahrgast mittlerweile die selbstständige Orientierung unmöglich macht. Er ist auf Treu und Glauben dem ausgeliefert, was ihm am Bahnschalter bzw. am Telefon vom Callcenter erzählt wird. Oder dem, was er in den Werbefoldern und auf der ÖBB-Homepage findet. Dass dabei immer der niedrigstmögliche Tarif herauskommt, ist keinesfalls sicher.

Verwirrende Verbundtarife

So haben die neun Verkehrsverbünde Österreichs zwar regional die Tarife der öffentlichen Verkehrsmittel vereinheitlicht. Aber für Bahnfahrende tun sich seither im Nebel zwischen ÖBB-Tarif und Verbundtarifen Preismysterien auf, wie Briefe an uns immer wieder belegen. So kommt es vor, dass für die Hinreise ein anderer Preis als für die Rückreise zu zahlen ist. Und die ÖBB haben ihre liebe Not, ihrer Kundschaft dieses Verwirrspiel zu erklären.

Denn wenn der Fahrscheinautomat für die Strecke Melk–Wien West den Vollpreis von 12,90 Euro ausweist und er, sobald man ihm den Besitz einer Vorteilscard bekannt gibt, den 50-Prozent-Rabatt auf 6,80 Euro berechnet, tippt jeder des Rechnens mächtige Mensch auf eine Gerätestörung. Ist es aber nicht: Die Tarifarithmetik berechnet den Vollpreis nach Verbundtarif, die 50-Prozent-Ermäßigung aber nach ÖBB-Tarif. Erklären tut einem das der Automat jedoch nicht.

Der Wien-Salzburg-Effekt

Aber bereits das kleine Einmaleins der ÖBB-Tariflehre, der Standardtarif, entpuppt sich, genau studiert, als ausgefuchste Relativitätstheorie: Die vermeintliche Grundregel, dass der gefahrene Bahnkilometer umso billiger wird, je länger die Reise, stimmt relativ oft, aber nicht immer. Der Preissprung bei der Distanz 301 bis 320 Kilometer ist plötzlich überproportional hoch – „zufällig“ fällt hier der Quotenhit Wien–Salzburg hinein.

Da lohnt es sich, zu „stückeln“: etwa eine Fahrkarte Salzburg–Hallwang (8 Kilometer) plus Hallwang– Wien Stadtgrenze/Purkersdorf Sanatorium (299 Kilometer), wenn in Wien ohnehin extra eine Fahrkarte für die Wiener Linien gelöst wird. So filetiert kostet die Strecke Salzburg–Purkersdorf Sanatorium zum Vollpreis plötzlich statt 39,80 Euro nur noch 36,50 Euro.

Bewertung

Wertung: 0 von 5 Sternen
Weiterlesen
Bild: Das KONSUMENT-Geschenk-Abo