Streusalz: Ätzende Auftaumittel

Salzstreuung geht auch anders

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KONSUMENT 1/2013 veröffentlicht: 21.12.2012

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Zucker oder Salz? Immer öfter klagen Österreichs Autofahrer und Autoimporteure über die ungewöhnlich hohe Rostanfälligkeit ihrer Gefährte. Schuld daran ist ätzendes Streusalz. Dabei ginge es auch anders, wie die Schweiz und Skandinavien zeigen.

Oldtimersammler wissen es am besten: Streusalz lässt Autos verrosten. Deshalb bevorzugen sie rare Fahrzeuge aus Südeuropa oder immer öfter auch Skandinavien, jedenfalls aus Ländern, in denen selten oder gar kein Streusalz verwendet wird. Im Süden, weil es nur in extremen Höhenlagen zu tiefen Temperaturen und damit zu Eis auf der Fahrbahn kommt, im Norden, weil die Temperaturen sehr oft so tief sind, dass Streusalz ohnehin nicht wirkt.

Autos, wie frisch gepökelte Fische

In Österreich hingegen wird gesalzen, dass Autos im Winter oft wie frisch gepökelte Fische daher kommen. Das ist nicht nur ein Schönheitsfehler, auch die Rostanfälligkeit der Autos ist deshalb um ein Vielfaches höher als in vielen anderen Ländern; selbst gegenüber unmittelbar vergleichbaren alpinen Regionen wie der Schweiz - von den Schäden für die Natur ganz abgesehen.

Schmieriger weißer Film

Was bisher vor allem Benutzern alpenquerender Autobahnen und bei der Anfahrt in Skigebiete auffiel, bemerkten letzten Winter auch die Autofahrer in Wien. Ein weißer Film verschmierte zuerst ihre Windschutzscheibe und bedeckte alsbald das ganze Auto. Das Mittel, um das es hier geht, heißt Kalziumchlorid und wird vorzugsweise dann verwendet, wenn die Umgebungstemperaturen besonders tief sind – und das war im vorigen Winter ausnahmsweise auch im Wiener Raum der Fall.

Streusalz neu: Kalziumchlorid

Kalziumchlorid ist chemisch ein naher Verwandter von Natriumchlorid, also Kochsalz, das die wichtigste Rolle als Auftaumittel auf unseren Straßen spielt. Kalziumchlorid hat allerdings einen entscheidenden Vorteil: Während herkömmliches Salz nur bis ungefähr minus sieben Grad zur Verhinderung von Eisglätte auf der Straße eingesetzt werden kann, drückt die Beimengung von Kalziumchlorid den Gefrierpunkt noch deutlich tiefer. Das ist die gute Nachricht.

Kalziumchlorid ist viel aggressiver als Kochsalz

Die schlechte Nachricht: Kalziumchlorid ist um ein Vielfaches aggressiver als Natriumchlorid. Es fördert die Bildung von Rostschäden an der Karosserie und vor allem auch am Fahrwerk, so dass selbst neuere Autos, von denen man es wirklich nicht vermuten würde, bei entsprechend intensivem Kontakt mit dem Auftaumittel massiv von Rost befallen sein können.

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Kommentare

  • Dass bei uns derart exzessiv gesalzen wird,....
    von asbachuralt am 09.01.2013 um 16:32
    ....dürfte wohl an der Haftung des Straßenerhalters liegen! Diese hat zur Folge, dass der jeweilige Straßenerhalter kein Risiko eingehen will und daher auf Teufel komm raus alles "niedersalzt". So kommt es, dass bei Erreichen einer Mindesttemperatur ohne wenn und aber gesalzen wird, egal, ob die Straße vollkommen trocken ist oder nicht, was wiederum zur Folge hat, dass ein ursprünglich trockener, heller Straßenbelag durch das hygroskopische Salz nass und dunkel wird, was in Verbindung mit dem Sprühnebel zu einer erheblichen Verschlechterung der Sichtverhältnisse führt. Eine weitere Unsinnigkeit liegt im Aufbringen von Massen von Salz auf eine geschlossene Schneefahrbahn, womöglich noch bei tiefen Temperaturen. So wird eine ursprünglich griffige Schneefahrbahn zur gefährlichen Schmierseife - abgesehen davon, dass bei sehr tiefen Temperaturen das Salz ohnehin nicht mehr wirkt. Und wozu man eine schöne weiße, griffige Schneedecke in einer 30-er Zone, Spielstraße oder überhaupt auf Nebenstraßen im Ortsgebiet niedersalzt, lässt sich wohl nur mit dieser beschriebenen Haftungsfrage erklären - ein wenig Eigenverantwortung der Verkehrsteilnehmer (nicht nur der Autofahrer) sollte man eigentlich voraussetzen können, aber hier wäre eigentlich der Gesetzgeber gefordert - solange der Straßenerhalter voll verantwortlich ist, wird sich nichts ändern!
Bild: VKI