Fotografieren: Reportage

Mit Bildern erzählen

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KONSUMENT 8/2012 veröffentlicht: 26.07.2012

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Hintergründe aufzeigen, Zusammenhänge deutlich machen: Die Fotoreportage ist die Kunst, eine planmäßig aufgebaute Bildreihe zu erstellen.

Ein lang gestreckter, sehr amerikanisch wirkender Flachbau in Wien-Hernals. Hier wohnt Erich Lessing, mit 89 Jahren das älteste aktive Mitglied der legendären Fotoagentur Magnum, die einst von Henri Cartier- Bresson, Robert Capa und anderen Mitstreitern ins Leben gerufen wurde. Lessing denkt noch lange nicht daran, sich zur Ruhe zu setzen, doch die aufregende Zeit als Fotoreporter, die liegt endgültig hinter ihm.

Einst gehörte er zu den Pionieren der Fotoreportage, der kurz nach dem Zweiten Weltkrieg neu aufkam. Berühmt wurde er vor allem mit seinen Bildern, die er während des ungarischen Volksaufstands 1956 in Budapest machte. Sie zeigen anrückende Panzer, zerstörte Häuser, getötete Menschen.

Bildstrecken als Zeitdokument

Mit seinen Fotoreportagen wollte er, erzählt Lessing, genauso wie seine Magnum-Kollegen Zeugenschaft von den Umbrüchen in der Welt ablegen. Dazu verstreuten sie sich in alle Welt. Cartier-Bresson reiste durch Asien, Lessing durch Osteuropa. Unterwegs, irgendwo – das war ihr Motto. Die Menschen waren geradewegs süchtig nach Bildern. Nach Bildern, die sie an weltbewegenden Ereignissen teilhaben ließen und ihnen fremde Länder näherbrachten. Es war die Blütezeit von „Life“, „Look“, „Vu“ und andere Zeitschriften, die auf lange Bildstrecken setzten.

Fotoreportage und Fernsehreporter

Nun, viele dieser Zeitschriften existieren heute nicht mehr. Zum einen wurden sie ein Opfer ihres eigenen Erfolgs. Inzwischen gibt es kaum noch weiße Flecken auf der Erde, kaum noch Gegenden, die nicht bereits abgelichtet worden wären. Zum anderen erhielten die Zeitschriften mächtige Konkurrenz durch das sich global ausbreitende Fernsehen. Wo der Fernsehreporter Bilder vom fernen Kriegsgeschehen live in die heimischen Wohnzimmer senden kann, hat der Fotoreporter im wahrsten Sinne das Nachsehen.

Vorteile des unbewegten Bildes

Warum führte das Fernsehen dennoch nicht zum endgültigen Aus der Fotoreportage, der Abhandlung eines Themas in einer Bildreihe? Weil das unbewegte Bild gegenüber dem bewegten, bei allen Nachteilen, auch Vorteile besitzt. Der wichtigste ist wohl, dass hier der Betrachter selbst darüber bestimmen kann, wie lang und wie intensiv er sich das Bild anschaut. Er ist quasi sein eigener Herr.

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