Datenterroristen

Viele Gute und ein paar Böse

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KONSUMENT 5/2015 veröffentlicht: 23.04.2015

Inhalt

Hunger? Kein Problem, ganz abgesehen davon, dass der Hunger glücklicherweise bei uns sowieso kein Problem ist. - "Kunde König“, ein satirischer Kommentar von Alois Grasböck.

KONSUMENT-Kolumnist Alois Grasböck
Alois Grasböck

Der moderne Mensch bestellt über die Plattform „Gierschlund“ ein Schnitzel mit Pommes. Den extrem superbilligen Urlaub kriegt er dank „Wanzenfrei“, seine ebenso wichtigen wie unablässigen Geldgeschäfte (er verfügt immerhin über 1.400 Euro im Monat) erledigt er über „Online-Zocking“. Und wenn er sich seinen Mausklickfinger verstaucht, klickt er mit letzter Kraft per „ArztaufRädern“ einen Mediziner herbei.

Die Welt von morgen

Okay, das letzte Beispiel mag Science-Fiction sein, doch die Zukunft kommt schneller, als man denkt. Und wenn wir schon bei Science-Fiction sind, können wir uns fragen, was die bedrohliche neue Welt von morgen bringen könnte.

Furcht vor den Irdischen

Mit Außerirdischen ist eher nicht zu rechnen. Diesbezüglich ist die Phantasie heraußen, weil die vielen Raumsonden nicht einmal eine halbwegs vitale Bakterie gefunden haben. Macht nichts, denn wenn‘s ums Fürchten geht, sind nach wie vor die Irdischen schlimm genug.

Vielfresser aufgepasst

Unser Zukunftshorror spielt in der Warn-Welt. Die Menschen werden ständig gewarnt, pfeifen aber drauf und verstreuen pausenlos ihre Daten. Eines Tages bekommt Kevin P., Stammkunde bei „Gierschlund“, eine bedrohliche Nachricht: „Sie fette Sau! Sie buchen sofort eine Magermilch-Diät um 4.500 Euro, sonst räumen wir Ihr Konto leer, zeigen Sie wegen Selbstverstümmelung durch Vielfresserei an und lassen einen Shitstorm von der Leine!“

Daten-Terror verbreitet sich

Tja, das kommt von der Mausklick-Mafia, die aus den „Gierschlund“-Daten einiges über Kevin weiß. Seine Kontodaten und viele andere haben sie natürlich auch. Wie eine Krankheit verbreitet sich der Daten-Terror über jene Teile der Welt, in denen was zu holen ist. Selbst bei den Harmlosesten findet die Mafia peinliche Details, die Geheimdienste mischen ebenfalls kräftig mit.

Gute gegen Böse

Das wird es im wirklichen Leben nie spielen? Träumt ruhig weiter, aber bedenkt: Wer diese Systeme erfindet, der weiß auch, wie er sie knacken kann. Und wo es viele Gute gibt, gibt es immer auch ein paar Böse.

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Bild: VKI