Facebook

Das andere Gesicht

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KONSUMENT 9/2011 veröffentlicht: 16.08.2011

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Von den einen heiß geliebt, von anderen verdammt: Das größte „soziale Netzwerk“ ist mächtiges Kommunikationsmittel und Datenkrake zugleich. Wichtige Fakten und Tipps für Einsteiger.

Da staunte die 16-jährige Thessa aus Hamburg nicht schlecht: Auf Ihre Einladung zur Geburtstagsparty trudelten 15.000 Zusagen ein – rund 1.600 wildfremde Gäste erschienen trotz danach hastig getätigter Absage der Feier tatsächlich zur Party. Eltern und Nachbarn alarmierten die Polizei: zertrampelte Vorgärten, eingerissene Zäune, angezündete Müllcontainer, elf Festnahmen wegen Körperverletzung, Sachbeschädigung und Widerstand gegen die Staatsgewalt.

 Ankündigungen über soziale Plattformen

Eine Woche später musste die Polizei im bayrischen Zwiesel aktiv werden: Eine 14- und eine 15-Jährige hatten eine Schlägerei im dortigen Stadtpark angekündigt, mit der sie einen Konflikt „klären“ wollten. 100 Schaulustige strömten herbei, die Exekutive musste Platzverweise erteilen, die Mädchen wurden dem Jugendamt gemeldet. Gemeinsamer Nenner beider „Events“: Facebook.

Freunderl-Wirtschaft

Facebook ist das größte „soziale“ Netzwerk der Welt mit derzeit 750 Millionen Teilnehmern, mehr als 10 Prozent der Weltbevölkerung. Wenn auch niemand schlüssig zu erklären vermag, was daran „sozial“ sein soll: Allein in Österreich geben sich 2.576.280 Menschen der Illusion hin, plötzlich viele „Freunde“ zu haben (Stand Mitte Juli 2011). „Freunde“, so heißen die teilweise völlig Unbekannten, mit denen man sich via PC, Laptop oder Handy verbindet, um kurze Textmitteilungen, Fotos, Videos oder Bewertungen über Waren, Dienstleistungen, Musik, Websites oder andere „Freunde“ auszutauschen (jeder User hat nach Betreiberangaben durchschnittlich 90 sogenannte „Freunde“).

"F"-Button

Dazu gibt es in Facebook und mittlerweile auch auf 2,5 Millionen Websites weltweit (täglich kommen 10.000 dazu) einen Button mit einem stilisierten „F“. Klickt man auf den „F“-Button, teilt man der Welt mit: „Das gefällt mir.“

Sag mir, was dir gefällt …

... und ich sag dir, wer du bist. Daraus entstehen in Zusammenschau mit den vielen persönlichen Daten, die Facebook von seinen Usern (erfolgreich) zu sammeln bestrebt ist, wunderschöne Interessensprofile, die den Werbetreibenden das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen: Mit geschätzten 2 Milliarden US-Dollar Auftragsvolumen honorierten sie im vergangenen Jahr die Bemühungen des Datensammlers (das Unternehmen notiert nicht an der Börse, hat also nur sehr eingeschränkte Offenlegungspflichten). Der Facebook-Unternehmenswert liegt bei 50 Milliarden US-Dollar.

Werbung soweit das Auge reicht

Denn landet man auf einer mit Facebook verlinkten Website, wird immer schön die passende Werbung eingeblendet, vielleicht sogar die Meldung, dass dies einem „Freund“ gefallen habe: Mundpropaganda auf Hightech-Basis. Allerdings wird mittels „F“-Button-Empfehlung nicht ordinär „eingekauft“, im Facebook-Jargon vermittelt man vielmehr ein „soziales Erlebnis“. Einen Button „Gefällt mir nicht“ gibt es aus leicht durchschaubaren Gründen allerdings nicht …

"Echte" Freunde?

Die „Freunde“ sind auch wichtige Multiplikatoren: Wer via Facebook mit einem Freund Kontakt aufnimmt, lernt automatisch auch dessen „Freunde“ am Bildschirm kennen, wird selbst zum „Freund eines Freundes“ und kann ihm mitteilen, was ihm gefällt und was ihn bewegt, an welchem Würstelstand er gerade eine „Heiße“ verzehrt oder was auch immer. Jeder kann seinen Senf zu fast allem geben: Das gute alte Schneeballsystem und der längst schon vergessene Bassenatratsch feiern mit virtuellen Mitteln fröhliche Urständ. Daran ist prinzipiell nichts zu kritisieren.

Sicher können viele Menschen via Facebook ihren Bekanntenkreis erweitern, vielleicht findet sich sogar einmal ein echter neuer Freund darunter. Sich ohne große Programmierkenntnisse der Welt mitzuteilen – oder was immer die persönliche Motivation sein mag – ist auch okay. Also: Wer Spaß daran hat, der soll! Man darf darüber nur nicht das „andere Gesicht“ von Facebook vergessen.

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