Steuer auf Festplatten und Handys

Umstrittene Abgabe

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KONSUMENT 9/2014 veröffentlicht: 28.08.2014

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Seit 2010 schwelt der Streit um die Festplattenabgabe. Sie soll die Leerkassettenvergütung ergänzen, aus der den Künstlern kaum noch Einnahmen erwachsen.

Die einen schreien "Diebstahl" und sehen das Kulturland Österreich gefährdet, die anderen prophezeien Tausende gefährdete Arbeits­plätze und einen immensen Schaden für den Wirtschaftsstandort Österreich – die Fest­plattenabgabe wird heftig diskutiert.

Gerechte Entlohnung für Künstler gefordert

Worum geht es bei diesem Streit? Der Sache nach: um eingebaute und später zugekaufte sowie um externe Festplatten, um die Speicher­medien in Tablets und Handys. Dem Grunde nach: um eine gerechte Entlohnung für Künstler, Produzenten, Verleger, deren Werke auf diesen Medien gespeichert werden – und zwar zusätzlich zum legal erworbenen Original. Also um das Recht des Konsumenten, solche "Privat­kopien" guten Gewissens anzufertigen und in beschränktem Umfang auch weiterzugeben.

Konsumenten mehrfach belastet

Darüber herrscht grundsätzlich Einigkeit ­zwischen Befürwortern und Gegnern der Abgabe. Doch in der Praxis führt die Belegung aller Geräte und Speichermedien mit einer Abgabe dazu, dass Konsumenten zwei- und dreifach belastet werden: Sie haben Musik oder Filme legal erworben und ihren Obolus dafür bezahlt. Wollen sie für private Zwecke eine Kopie anfertigen, werden sie auch dafür zur Kasse gebeten.

32 Euro für ein Terabyte

Und das nicht zu knapp: Für eine Ein-Terabyte-Festplatte werden gleich 32 Euro fällig. Die zweite und wohl noch größere Ungerechtigkeit besteht in der immer mehr um sich greifenden Praxis, dass Musik oder Filme kopiergeschützt sind, sei es auf DVDs bzw. Blu-rays oder online. Man zahlt Kopiergebühr und darf dann gar nicht kopieren.

Wie das System funktioniert

Player sind auf der einen Seite die Ver­wertungsgesellschaften. Das sind sozusagen die Inkassodienste der Künstler. Sie sorgen im Auftrag ihrer Mitglieder dafür, dass deren Werke auch entlohnt werden. Egal ob es sich um Musik, Filme oder Gedrucktes ­handelt. Auf der anderen Seite stehen – in der aktu­ellen Diskussion – die Importeure und Händler, welche die Künstler-Abgaben im ­audiovisuellen Bereich einheben sollten.

Künstlerische Werke sind, oft vom Konsumenten als solche gar nicht wahrgenommen, überall: die Musik aus dem Radio oder dem Internet, beim Film im TV, aus dem Videoshop, von YouTube oder im Online-Stream; die Berieselungsmusik im Supermarkt, an Bord des Flugzeugs oder im Stammbeisl gehört ebenso dazu wie der Zeitschriftenartikel, das Buch, das Notenblatt. Für die gewerb­lichen Nutzer (Rundfunkanstalten, Videoshops, Airlines, Wirte etc.) fallen bei Ver­wendung Lizenzgebühren an. Sie werden von den Verwertungsgesellschaften im Auftrag ihrer Mitglieder vorgeschrieben, kassiert und schließlich – nach Abzug der Verwaltungs­gebühren – an diese ausbezahlt.

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Bewertung

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Kommentare

  • Hab nur Daten auf meinem PC
    von Reg1na am 23.09.2014 um 14:19
    Auf meinem PC liegen weder Filme, noch Musik. Da liegen e-mails, Office Dokumente, eigene Fotos, .. Warum soll ich dafür Künstlerabgabe zahlen? Das gilt auch für mein Mobiltelefon und mein Tablet (auf dem liegen gar keine Daten, das ist zum Zeitung lesen und INternet surfen)
  • Umstrittene Abgaben
    von oe3gha am 06.09.2014 um 15:18
    Diese Abgaben (Festplattenn, CD/DVD, DV Bänder usw. ärgern mich seit Jahren - das sind klare Raubrittermethoden! Ich habe auf über 600 CD/DVD über 100 000 EIGENE Fotos (mehrfach) gespeichert - auch auf Festplatten! Weiters habe ich über 600 Videokassetten (S-VHS, Mini-DV) NUR mit eigenen Aufnahmen! Auf Festplatten und DVDs habe ich außerden viele 100 EIGENE Filme digitalisiert (zum Teil bis in die 30er Jahre zurück) außerdem habe ich eine Sammlung von Filmen unseres Filmklubs (bis in die 50er Jahre zurück) auf Festplatten und DVDs. Auf Grund der Anfälligkeit der Festplatten (heuer entsorge ich wieder 15 defekte Platten im Sperrmüll) habe ich einen ziemlichen Bedarf. Ich habe auch eine umfangreiche Sammlung GEMAFREIER Musik - andere darf ich ja in meinen (nicht Kommerziellen) Filmen nicht verwenden - meine Musiksammlung an früher gekaufter Instrumentalmusik darf ich ja nicht mehr verwenden (hat damals eine Stange Geld gekostet). Warum Muß ich Abgaben zahlen für Dinge (Festplatten, DVDs, Kassetten usw.) nur weil ich unerlaubtes aufnehmen KÖNNTE - es aber nicht mache - meine sämtlichen Bild und Filmaufnahmen sind REINE EIGENPRODUKTION - für die Filme wird NUR GEMAFREIE Musik verwendet - ich bin reiner Amateur und verdiene an den Filmen keinen Cent - wenn ich mal Glück habe bekomme ich bei einem Filmbewerb mal ein Diplom oder einen Pokal - das ist eine TOTALE UNGERECHTIGKEIT!! Gerhard Hewelt AFVC-Horn
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