Tablet Produktion

Das Mittelalter ist nicht vorbei

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KONSUMENT 12/2014 veröffentlicht: 16.10.2014

Inhalt

Schon wachsen Generationen heran, die sich nicht vorstellen können, wie die Menschheit ohne Laptops, Handys und Tablets überleben konnte. - "Kunde König“, ein satirischer Kommentar von Alois Grasböck.

KONSUMENT-Kolumnist Alois Grasböck
Alois Grasböck

Und wenn sie sich das vorstellen könnten, würden sie diese Zeit für das finsterste Mittelalter halten. Man konnte nicht überall und jederzeit telefonieren, wenn einem gerade fad war? Und statt Google hatte man ein 24-bändiges Lexikon im Bücherschrank? Horror!

Die Technologie schreitet unaufhaltsam voran

Das ist der Lauf der Welt, und der Fortschritt hat nicht nur die Elektronik unersetzlich gemacht. Man male sich aus, um ein scheinbar banales Beispiel zu erwähnen, in welche Krise unsere Zivilisation stürzen würde, wenn es plötzlich keine Plastikbecher mehr gäbe. Hätten wir Tiefkühl-Lasagne in der Holzschachtel und Eiscreme im Blechhäferl?

Heutige Technologie in ein paar Jahren veraltet

Wenn der Fortschritt weiterhin so ein Tempo vorlegt, könnte eine Zeit kommen, in der sich die Menschen einen Computer ins Hirn und ein Handy ins Ohr implantieren lassen. Das ist zwar umständlich, wenn sie alle paar Monate auf das neueste Modell umsteigen wollen, aber man wird über das Jahr 2014 den Kopf schütteln: Stellt euch vor, damals mussten sie noch ein altertümliches Tablet mitnehmen, wenn sie auf dem Klo im Internet schauen wollten! Lacht nur über unsere Technik, aber werdet nicht allzu frech, denn noch ist nicht fix, dass man euch überhaupt in die Welt setzt. Denn wenn sich heute zwei Smartphones näherkommen, heißt das noch lange nicht, dass sie ein Babyphone zeugen.

Sklavereiähnliche Zustände auch heute noch

So viel zur Zukunft, nun zurück in die Gegenwart. Und ins finstere Mittelalter, von dem am Anfang die Rede war. Es ist traurig, aber zwischen dem echten Mittelalter und der modernen Elektronik gibt es einen Zusammenhang. Damals, in finsteren Zeiten, gab es die Leibeigenschaft, das ist ein anderes Wort für Sklaverei. Das erinnert leider an die Zustände, von denen man teilweise aus den Fabriken hört, in denen unsere tollen Geräte und andere Waren zu Hungerlöhnen hergestellt werden. So gesehen ist das Mittelalter noch nicht vorbei. Das soll keine Aufforderung zu schlechtem Gewissen sein, aber man könnte gelegentlich daran denken, wenn man sein Spaßgerät einschaltet.


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Kommentare

  • Leibeigenschaft, Sklaverei
    von geos am 20.11.2014 um 12:30
    Zitat: Damals, in finsteren Zeiten, gab es die Leibeigenschaft, das ist ein anderes Wort für Sklaverei. Eigentlich hat sie nie aufgehört - Sklaven des Geldes sind wir nach wie vor - Stichwort Geldsystem. Und wir steuern deutlich auf eine neue, weitere Art zu, wenn wir weiter so kritiklos die neuen Medien (soz.Netzwerke etc.) benutzen und unsere Daten so gedankenlos in der Welt verteilen. Totale Überwachung macht Schritte gegen die Interessen der Machthaber unmöglich. Und durch die Umstellung auf rein digitales Geld ist es ein leichtes, unliebsamen Zeitgenossen das Konto zu sperren und so die Lebensgrundlage zu entziehen...
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