Rezeptfreie Abführmittel nur kurzfristig zweckmäßig 22.04.2008

32 von 47 Präparaten geeignet. Hohe Missbrauchsgefahr.
veröffentlicht: 2009-01-03, aktualisiert: 2009-01-04
Verstopfung zählt zu den häufigsten Beschwerden in unserer Gesellschaft: 20 bis 30 Prozent leiden immer wieder einmal darunter. Meist liegen falsche Ernährung und geringe Flüssigkeitsaufnahme sowie Bewegungsmangel zugrunde. In selteneren Fällen ist eine ernsthafte Krankheit die Ursache.

„Konsument“ hat 47 rezeptfrei erhältliche Arzneipräparate für die Indikation Obstipation, wie Verstopfung im Fachjargon genannt wird, bewertet. Wenig geeignet sind vor allem Teemischungen, während beispielsweise Gleit-, Füll- und Quellmittel – für den kurzfristigen Gebrauch – ihren Zweck erfüllen.


47 Arzneimittel im Test

Zur kurzfristigen Behandlung von Verstopfung eignen sich darmbewegungsfördernde Präparate, die eine Reizung der Darmschleimhaut bewirken und dadurch einen rascheren Stuhlgang ermöglichen. Auch entwässernde Präparate werden als geeignet eingestuft: Die Zunahme des Stuhlvolumens stimuliert die Darmmuskulatur und fördert das Ausscheiden des Stuhls. Präparate mit dem Wirkstoff Lactulose können dabei auch in der Schwangerschaft eingenommen werden. Mit „Bifiteral“ ist in Österreich derzeit aber nur ein Präparat rezeptfrei erhältlich. Gleit-, Füll- und Quellmittel überzeugten ebenfalls. Beispielsweise sind Glycerinzäpfchen auch für Kinder und Schwangere geeignet.


Wenig geeignete Teemischungen

Zu „wenig geeigneten“ Präparaten zählen hingegen „Darmoltäfelchen“: Die Einarbeitung hochwirksamer Arzneistoffe (Sennoside A+B) in Schokolade entspricht weder dem Stand der pharmazeutischen Wissenschaft noch modernen Vorstellungen von Arzneimittelsicherheit. Die Verpackung ist nicht kindersicher und eine Überdosierung kann für Kinder lebensgefährliche Folgen haben. „Neda Früchtewürfel“ enthalten dagegen das längst obsolete Paraffinöl, das bei Überdosierung unter anderem zu Stuhlinkontinenz führen kann. Bei den Teemischungen wurden gar nur zwei von elf Präparaten als geeignet beurteilt. Besonders negativ fällt „Thé Chambard Tee“ auf, der nicht nur eine wenig sinnvolle Kombination verschiedener Arzneipflanzen enthält. „Der Hinweis auf die Einnahme mit Rum, also die Kombination von Arzneimitteln mit Alkohol, ist nicht nur absurd, sondern auch gefährlich“, kritisiert „Konsument“-Gesundheitsexperte Thomas Tobisch.


Hohe Missbrauchsgefahr

Abführmittel sollten grundsätzlich nur für einen kurzen Zeitraum eingenommen werden. „Vor allem die Einnahme von Abführmitteln zur Entschlackung im Zusammenhang mit Diäten und Fastkuren ist abzulehnen. Die Entschlackungstheorie entbehrt der medizinischen Grundlage, hält sich aber hartnäckig und dementsprechend hoch ist der Missbrauch“, so Tobisch. Zur Vorbeugung von Verstopfung rät Tobisch, täglich zwei Liter Wasser, Saft oder Tee und ballaststoffreiche Kost zu sich zu nehmen sowie Süßigkeiten, übermäßigen Fleischkonsum und Fast Food weitestgehend zu vermeiden.

Weitere Informationen zu den Testergebnissen finden sich ab dem 24. April im „Konsument“ und ab sofort online auf www.konsument.at .

Bild: Das KONSUMENT-Geschenk-Abo