Fragwürdige Grippeprävention

Hygiene-Gels und Joghurtdrinks

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veröffentlicht: 10.12.2009

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Desinfektionsgels für die Hände und Joghurtdrinks sollen uns im „Schweinegrippejahr“ vor Infektionen schützen bzw. unsere Abwehrkräfte steigern. Unser Expertenrat: Sparen Sie sich das Geld für die teuren Produkte für eine gute Ernährung und waschen Sie sich öfter mal die Hände!

Die heurige (Schweine-)Grippesaison lässt nicht nur bei Pharmaindustrie und Apothekern die Kassen klingeln, auch die Hersteller von Hygienebedarf und Lebensmitteln wollen am „Grippekuchen“ mitnaschen. Seit einiger Zeit werden etwa antibakteriell wirkende Handhygieneprodukte stark beworben. „Wirkt auch gegen H1N1 Schweingerippenvirus“ oder „Wirkung an H1N1 Grippeviren bestätigt“ steht auf den Verpackungen von sogenannten Handhygiene-Gels oder Hygienetüchern, die in Drogerien oder auch an der Kassa von Supermärkten feilgeboten werden. Macht die Anwendung derartiger Produkte Sinn? Handdesinfektionsmittel

Zweifelhafter Nutzen

Für den Arzt und Präventionsspezialisten Dr. Franz Piribauer ist der Nutzen zweifelhaft: „Auch wenn derartige Mittel wirken, werden die Erreger ja nur im Moment der Anwendung abgetötet. Man müsste sich also ständig aufs Neue damit einreiben. Das ist völlig unangemessen, für die Haut nicht gerade unbedenklich und kommt auf Dauer ziemlich teuer.“ Piribauer rät zum regelmäßigen Händewaschen mit lauwarmem Wasser und Seife, vor allem wenn man nach Hause oder ins Büro kommt. Außerdem sollte man, sofern die körperliche Verfassung es zuläßt, möglichst vermeiden, Haltegriffe in öffentlichen Verkehrsmitteln oder etwa den Handlauf von Rolltreppen anzufassen.

Schutz vor Ansteckung?

Doch nicht nur die Werbung für Desinfektionsmittel sticht uns derzeit ins Auge. Auch die Lebensmittelindustrie will durch geschickt inszenierte Werbespots suggerieren, dass uns bestimmte Produkte wie Actimel oder Vital (Spar) vor einer Ansteckung etwa mit Grippeviren schützen würden. Franz Piribauer hält derlei PR gelinde gesagt für fragwürdig: „Derartige Werbung bewegt sich für mich hart an der Grenze zur Legalität und entspricht nicht dem Letztstand der medizinischen Wissenschaft. Ich ziehe ausreichend Schlaf, Entspannung und gute Ernährung mit Gemüse und Obst dem Konsum vermeintlicher Gesundmacher aus dem Supermarktregal in jedem Fall vor“.

Weitere Tipps zur Vorbeugung gegen Grippe und Erkältungskrankheiten finden Sie auf www.wir-gegen-Viren.de

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Kommentare

  • Einspruch gegen Dr. Piribauers Aussagen!
    von DanDocPeppy am 17.12.2009 um 21:43
    Ich schätze eigentlich den Pathologen Dr. Piribauer sehr, hier allerdings erhebe ich Einspruch, vor allem gegen seinen Rat bzgl. des Händewaschens. Er widerspricht hier nämlich den üblichen Hygienestandards (es gibt z.B. im LKH Horn dazu sogar einen aktuellen Umlaufer) wie sie im Krankenhaus herrschen - und dort sollte man ja davon ausgehen können, daß hygienisch optimal gearbeitet wird. Er kann dies gerne mit seinem Kollegen, Prim. Braun und dem Hygieneteam ausdiskutieren. In dieser Hygienerichtlinie wird nämlich ausdrücklich vom häufigen Händewaschen ABGERATEN (und schon gar nicht mit warmen Wasser!), da dies sogar zu einer KEIMVERMEHRUNG auf den Händen führt, die natürliche Hautflora schädigt und Allergien fördert. Hände gehören AUSSCHLIESSLICH bei sichtbarer Verschmutzung gewaschen - ansonsten mit einem alkoholischen, rückfettenden Mittel DESINFIZIERT!
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