Bahnfahren: Richtiges Verhalten bei Zugsverspätungen

Glosse von Alois Grasböck

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Konsument 8/2010 veröffentlicht: 21.07.2010

Inhalt

Was dem Autofahrer der Stau, ist dem Bahnfahrer die Verspätung. 2008 kamen die Züge der ÖBB ingesamt 742.000 Minuten zu spät. - "Kunde König": ein satirischer Kommentar zum Thema Zugsverspätungen von Alois Grasböck.

Bild: VKI 
Alois Grasböck

Was dem Autofahrer der Stau, ist dem Bahnfahrer die Verspätung. Im Jahr 2008 zum Beispiel, das hat der Rechnungshof ermittelt, kamen die Personenzüge der ÖBB um insgesamt 742.000 Minuten zu spät. Und wenn jetzt jemand meint, das müsse zu wenig sein, denn so lang habe schon er allein gewartet, so sei ihm gesagt: Ihr Gefühl in Ehren, doch es trügt, denn das sind 515 Tage.

Das geht sich in einem Jahr nicht aus. Verständlich ist dieses Gefühl schon, weil sich beim Warten die Zeit dehnt und im Durchschnitt nur halb so langsam vergeht wie sonst.

Ärger und Wut

Paradox ist, dass man dabei doppelt so schnell altern kann, was daran liegt, dass Ärger und Wut den Organismus belasten. Das Gerücht, man erkenne Vielfahrer daran, dass sie frühzeitig graue Haare kriegen, ist jedoch übertrieben. Es lohnt sich jedenfalls im eigenen Interesse, bei Verspätungen so gelassen wie möglich zu bleiben. Dazu müssen Sie Ihrer Phantasie unbedingt verbieten, sich auszumalen, wie Ihnen der Anschlusszug vor der Nase davonfährt! Denken Sie positiv und lenken Sie sich mit heiteren Dingen ab. Etwa mit der Frage, warum bei der beliebten Redewendung "Da fährt die Eisenbahn drüber" nie dazugesagt wird, wann sie drüberfährt. Oder dass man jedem, der "Die Weichen sind gestellt“ sagt, sofort ins Wort fallen und ihn anschnauzen sollte: "Bringen Sie lieber den Zug auf die Schiene, weil mit einer Weiche kann ich nicht von Linz nach Salzburg fahren!“

Phantasie benutzen

Viele Züge tragen Namen. Wenn Ihre Phantasie brav ist und den Film vom Anschlusszug nicht spielt, darf sie sich wieder melden und passendere erfinden. Und ein paar Durchsagen dazu: Der Eurocity Verlorene Zeit wäre soeben eingefahren, wenn er nicht 55 Minuten Verspätung hätte. Die Ankunft des Qualzuges, Verzeihung, Regionalzuges Verstopfte Toilette verzögert sich, weil er zum Wasserlassen außerplanmäßig anhalten musste (soll übrigens tatsächlich schon vorgekommen sein). Wichtig: Vergessen Sie vor lauter Ablenkung nicht auf Ihren Zug. Irgendwann kommt er ja doch.

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