Geldanlage: Geschlossene Immobilienfonds

Tatort Holland

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KONSUMENT 10/2014 veröffentlicht: 25.09.2014

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Knalleffekt rund um die von österreichischen Banken vermittelten holländischen Immobilien­fonds. VKI-Recherchen legen nahe, dass Anleger durch teure Zwischenverkäufe der Immobilien geschädigt wurden.

Noch vor einigen Jahren waren holländische Immobilienfonds der Renner am Anlagemarkt. Österreichische Banken verteilten Hochglanzbroschüren und luden ihre Kunden zu Informationsveranstaltungen, um sie zum Investment in die vermeintlich lukra­tiven wie sicheren Veranlagungen zu bewegen.

7 % und mehr in Aussicht gestellt

Jährliche Ausschüttungen von 7 und mehr Prozent wurden in Aussicht gestellt. Tausende Anleger in Österreich witterten ein gutes Geschäft und stiegen ein. Die Mindestbeteiligung lag bei 10.000 Euro, die angegebene Laufzeit betrug zehn Jahre. Als Initiator trat das deutsche Emissionshaus MPC Münchmeyer Petersen Capital AG mit Sitz in Hamburg in Erscheinung, das sich als honoriges und international renommiertes Handelshaus mit über 150-jähriger Erfahrung präsentierte.

Geld weg, Ausschüttungen zurückverlangt

Anfangs landeten die versprochenen Ausschüttungen tatsächlich pünktlich auf den Konten der Anleger. Doch dann versiegten die Geldflüsse bei einigen der Fonds. Besorgte Kunden wurden mit plausibel klingenden Ausreden vertröstet, als sich im Hintergrund die Pleite und damit der Totalverlust der ­Investments bereits abzeichneten. Am Ende war nicht nur das Geld weg, die Anleger wurden zudem aufgefordert, bereits erhaltene Ausschüttungen zurückzuzahlen.

VKI lässt Kaufverträge ausheben

Der VKI wurde im Auftrag des Sozialministeriums tätig und machte im Rahmen einer Sammelintervention Schadenersatzforderungen gegen die Banken geltend. Der Vorwurf: Die Kreditinstitute haben die Anleger falsch informiert und auch nicht auf die beträchtlichen Risiken der Veranlagungsform hingewiesen.

"Hätten die Kunden gewusst, auf was sie sich da einlassen, wären die Banken samt und sonders auf diesen Fonds sitzen geblieben", sagt Sebastian Schumacher. Der Rechtsanwalt vertritt unter anderem für den VKI private Anleger der Holland Fonds. Der VKI recherchierte hinter den Kulissen der schönen Hochglanzprospekte und ließ die Kaufverträge von mehreren Dutzend Immobilien von MPC-Hollandfonds im niederländischen Grundbuch ausheben.

Zwischenverkäufe mit Folgen

Dabei stießen wir in allen Fällen auf ein bemerkenswertes Muster: Die Bürohäuser hatten samt und sonders am selben Tag, kurz bevor sie vom jeweiligen Immobilienfonds erworben wurden, beim selben Notar bereits einmal den Besitzer gewechselt. Durch diesen Zwischenverkauf verteuerten sich die Immobilien beträchtlich, wie ein Beispiel unter vielen, nämlich jenes des Holland Fonds 53 mit drei Büro­häusern in Rotterdam, Delft und Utrecht, zeigt.

Wurde von Banken an Kunden verteilt: attraktiver Hochglanzprospekt zum Pleitefonds Holland 53 (Bild: VKI)

Wurde von Banken an Kunden verteilt: attraktiver Hochglanzprospekt zum Pleitefonds Holland 53 (Bild: Andrea Föderler)

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