Geoblocking: Billiger Protektionismus

Kommentar von Bernhard Matuschak

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KONSUMENT 10/2016 veröffentlicht: 29.10.2016

Inhalt

Anstatt auf freien Handel stoßen User im World Wide Web auf Grenzen und Kleinkrämerei. - Ein "Aufgespießt" von KONSUMENT-Redateur Bernhard Matuschak.

Unternehmer singen allzu gerne ein Loblied auf den freien Handel und die Marktwirtschaft. Konkurrenz belebt

Bernhard Matuschak (Bild: U. Romstorfer/VKI)
Bernhard Matuschak

das Geschäft, offene Grenzen bauen Handelshindernisse ab, so das Mantra. Als Profiteur des Ganzen wird natürlich der Konsument dargestellt. Begibt man sich auf Shoppingtour im World Wide Web, werden einem jedoch schnell Grenzen aufgezeigt. Anstatt globalem Handel regiert Kleinkrämerei. Vom österreichischen Anschluss aus auf einer deutschen Website Waren einkaufen, weil sie dort günstiger sind – Fehlanzeige! Mit einer Kreditkarte, bei der ein österreichisches Konto hinterlegt ist, beim britischen Onlinehändler ein Schnäppchen-Handy bezahlen – no way.

EU-Verordnung in Diskussion

Als Italiener auf einer österreichischen Seite einen Pauschalurlaub buchen – niente. Der Ausdruck Geoblocking nimmt sich fast niedlich aus für das, was sich im Netz abspielt. Die Politik schaut seit Jahren zu und lässt sich von den Großkonzernen auf der Nase herumtanzen. Die wollen auf der ganzen Welt Geschäfte machen. Was ihr gutes Recht ist – aber bitte ohne Protektionismus. Die Diskriminierung von Konsumenten aufgrund ihrer Staatsangehörigkeit oder ihres Wohnsitzes hat hier keinen Platz. Für den Verbraucher bleibt zu hoffen, dass die in der EU gerade diskutierte Verordnung über Maßnahmen gegen Geoblocking den Missbrauch ohne Wenn und Aber beendet. Leise Zweifel erscheinen beim Blick auf den vorliegenden Entwurf angebracht.

Was der Entwurf derzeit nicht vorsieht

Anbietern soll es untersagt sein, Bestellungen auf ihrer Homepage aus dem Ausland zu sperren beziehungsweise zu beschränken. Auch darf der Anbieter die Bezahlung über ein ausländisches EU-Konto nicht mehr verweigern. Alles schön und gut! Doch der Verordnungsentwurf sieht leider nicht vor, dass sich der Anbieter auch um den Versand der Ware kümmern muss. Der Kunde müsste das also selbst übernehmen. Erfolgt hier keine Korrektur, wird diese Verordnung von Anfang an nichts anderes als ein zahnloser Tiger sein.

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Kommentare

  • Ich kann nur bei unzuverlässiger österreichischer Generalvertretung kaufen
    von Brigitte Ecker BA am 14.12.2016 um 14:50
    Ich verwende Mehrfachkugelschreiber einer deutschen Schreibwarenfirma. Die Minen sind aber im Handel nicht zu bekommen, es sei denn, man ist ein Gewerbebetrieb und kann sie sich über VIKINGdirekt etc. beschaffen. Jahrelang bestellte ich im Onlineshop, anscheinend die Generalvertretung der Firma in Österreich, klappte immer anstandslos. Nur fing der Generalvertreter an, schleißig zu werden. Zu zahlen war immer Vorauskasse. Nur einmal kam die Ware nicht, ich mailte mehrfach, ich telefonierte, keine Reaktion. Ich fragte daher beim Hersteller in Deutschland nach, was mit seinem Shop in Österreich los ist. Erst da meldete sich der Herr, dass die Post wieder mal eine Sendung hat zurückgehen lassen ohne mich zu verständigen. Die Ware bekam ich. Nachdem ich bei einer weiteren Anfrage wieder einmal den Weg über Deutschland nehmen musste, weil sich der Generalvertreter auch auf Urgenzen wieder mal nicht rührte, bestellte ich in Deutschland. Seit heuer geht das aber nicht mehr. Daher erneuter Versuch beim Generalvertreter mit Sofortzahlung. Diesmal antwortete er auf die Frage sofort, es gäbe Lieferschwierigkeiten, es sollte aber in den nächsten Tagen die Ware weggehen, dann wieder längere Pause. Mittlerweile informierte ich mich im Internet, da sah ich in mindestens drei Foren, dass ich noch gut bedient war, denn viele andere zahlten zwar auch, bekamen aber keine Ware. Mehrere wollten deswegen zur Polizei, vor Gericht oder zum Anwalt. Der Herr war auch schon in Schreibwaren-Foren teilweise gesperrt. Ich riet, den Hersteller zu informieren. Unter einem Pseudonym dürfte sich der Herr mächtig aufgeregt haben, aber in der Mailbox fand ich vor, dass ich den Auftrag stornieren könne, da die Lieferschwierigkeiten weiter bestünden. Dies nahm ich an und binnen einer Stunde hatte ich mein Geld wieder. Anscheinend als einzige, dabei waren unter den Betroffenen anscheinend auch Geschäftsleute. Ich musste mir daher die ganzen Kulis kaufen, laut Verkäuferin gab es für die fragliche Stärke XB keine Lieferschwierigkeiten für Kulis, dann wird diese wohl auch für die Minen gelten. Ich würde gerne weiter beim Hersteller bestellen, das geht aber nur für Deutsche. Ich finde daher diese Regel einschränkend. Eine rennommierte Kugelschreiberfirma sollte doch wie viele KMUs in der Lage sein, die Preise auch fürs Ausland, zumindest Österreich und die Schweiz im Internet berechnen zu lassen.
  • Alles schön und gut...
    von Mcdully am 23.11.2016 um 10:45
    Als Luxemburger bin ich beim Konsument.at abonniert und ganz zufrieden, da ich beim luxemburger Konsumentenschutz leider nicht so gute Informationen bekomme. Warum bin ich beim Konsument.at und nicht bei Stiftung Warentest? Weil die mich als Luxemburger blocken .... ihre deutschen Kollegen sind also auch nicht besser!
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