Schmutzige Geschäfte

Nicht nur in fernen Ländern

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KONSUMENT 1/2017 veröffentlicht: 22.12.2016

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Auch in Europa gibt es soziale Missstände, kein Produkt ist zu 100% sauber. - Ein "Aufgespießt" von KONSUMENT-Redakteur Peter Blazek.

Peter Blazek (Bild: U. Romstorfer/VKI)
Peter Blazek

Glaubwürdige Gütesiegel sind leider viel zu oft auf Nischenprodukte beschränkt. Wer „saubere“ Produkte (in ökologischer und sozialer Hinsicht) kaufen will, hält sich daher an gewisse Faustregeln – zum Beispiel die, auf den Hinweis „made in EU“ oder „made in Austria“ zu achten. Denn in Europa gibt es ja relativ strenge Gesetze, einen funktionierenden Behördenapparat und Gewerkschaften, die auf die Einhaltung von Arbeitnehmerrechten schauen. Auch wir können manchmal nur diese Empfehlung abgeben.

Elend vor unserer Haustür

Doch auch in Europa gibt es viele Missstände, die mit den Zuständen in Niedriglohnländern Asiens, Afrikas oder Lateinamerikas vergleichbar sind. So etwa in der Obst- und Gemüseproduktion in Südspanien oder Süditalien, wo rechtlose Flüchtlinge aus Afrika oder Osteuropa illegal beschäftigt werden. Oder eben chinesische Arbeitskräfte, die im Zentrum der Toskana in „Pronto Moda“- Nähstuben mit kaum mehr als einem Zehntel des ortsüblichen Lohnniveaus ihr Leben fristen müssen. Wir brauchen gar nicht so weit zu gehen, Elend und Ausbeutung gibt es auch vor unserer Haustür – wie z.B. ungarische oder rumänische Erntehelfer, die illegal beschäftigt werden.

Geringers Übel wählen

Daraus den Schluss zu ziehen, es sei ohnehin egal, was wir kaufen, ist jedoch falsch. Wir dürfen uns nur nicht erwarten, dass es Produkte gibt, die zu 100 Prozent sauber sind. In vielen Fällen können wir aber solche Waren auswählen, die gewisse Mindeststandards erfüllen bzw. in einem Teilbereich hohen Ansprüchen genügen. Bio-Lebensmittel schonen die Umwelt und vermeiden Tierquälerei; bei Fairtrade-Kleidung darf man darauf vertrauen, dass die Baumwollpflücker einen Lohn bekommen, von dem sie leben können. Und wenn es – wie so oft – keine zertifizierten Produkte gibt, ist es doch oft möglich, sich wenigstens für das geringere Übel zu entscheiden. Das klingt nicht sehr enthusiastisch, es sind nur kleine Schritte zu mehr Nachhaltigkeit. Aber – das hat die Vergangenheit gezeigt – die vielen kleinen Schritte von Konsumenten führen auf die Dauer zu einem Umdenken in der Wirtschaft.

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Kommentare

  • Umdenken
    von eNTi am 17.01.2017 um 11:34
    "die vielen kleinen Schritte von Konsumenten führen auf die Dauer zu einem Umdenken in der Wirtschaft." Ich halte das für die einzige Möglichkeit etwas aktiv zu tun ohne sein Leben dafür zu opfern. Leider ist es auch langsam und etwas naiv. Die Industrie und der Markt berufen sich viel zu oft auf die "Wünsche der Kunden", wenn diese doch DIREKT dafür durch ihre Werbung verantwortlich sind. Die dauernden Verblendungsversuche durch übergroße - aber durchwegs mit Luft gefüllten Verpackungen - sind ethisch ebenso verwerflich wie ökologisch schlicht nicht rechtfertigbar. Hier ist eindeutig der Staat gefragt endlich zu regulieren und adäquate Strafen zu verhängen. Wie kann Kinderwerbung noch erlaubt sein? Wieso gibt es noch keinen Stopp von zugesetztem Zucker in Nahrungsmittel? Warum werden von der Industrie ausgenutzte "Hintertüren" in Gesetzen nicht geschlossen und voll bestraft? Offensichtlich genügt es nicht auf die Vernunft zu appellieren, wenn die Gier ganz offensichtlich jegliche Moral aushebelt? Es wird hier definitiv zu wenig Druck ausgeübt.
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