Absinth

Rückkehr der Grünen Fee

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Konsument 8/2002 veröffentlicht: 22.07.2002, aktualisiert: 24.07.2002

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Modegetränk des 19. Jahrhunderts

Absinth, das Modegetränk des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, kehrt zurück. In Szenelokalen, im Spirituosenfachhandel und vor allem über einschlägige Online-Shops wird der Trinkbranntwein, an dem damals viele Menschen zu Grunde gegangen sind, heute wieder unter die Leute gebracht. Hauptbestandteil von Absinth sind alkoholische Extrakte aromatischer Pflanzen, vor allem der Wermutpflanze. Das Nervengift Thujon und der Bitterstoff Absinthin, die darin enthalten sind, können bei regelmäßigem Genuss chronische Vergiftungserscheinungen des Nervensystems und Lähmungen (Absinthismus) hervorrufen.

Modegetränk der Künstler

Bis in die Zwanzigerjahre des vorigen Jahrhunderts war Absinth vor allem in Künstlerkreisen sehr beliebt. Maler und Schriftsteller, von van Gogh über Picasso bis Hemingway, schätzten die „Grüne Fee“ ob ihrer – vermeintlich – kreativitätsfördernden Wirkung. Gleichzeitig diente der Branntwein aber auch vielen armen Leuten als billiges Rauschmittel. Bis er in fast allen europäischen Ländern (mit Ausnahme Großbritanniens) verboten wurde. Wegen des in der EU gültigen Prinzips der gegenseitigen Anerkennung mussten die nationalen Verbote in den Neunzigerjahren wieder aufgehoben werden. Für den Thujongehalt gelten allerdings Höchstwerte, bei Bitterspirituosen sind maximal 35 mg pro Liter zulässig.

Gefährliche Kombination Alkohol und Thujon

Die Fachliteratur ist sich einig, dass es sich bei Absinth nicht einfach um ein hochprozentiges alkoholisches Getränk (meist 60 bis 70 Volumensprozent) handelt. Was das Getränk gefährlicher macht, ist das Zusammentreffen von Alkohol und Thujon. Letzterem werden ähnliche halluzinogene Wirkungen wie Haschisch oder Marihuana nachgesagt. Eine Thujonvergiftung kann die bekannte Wirkung des Alkohols unter Umständen potenzieren. Umso kritischer sind die Werbeaussagen für Absinth zu bewerten. Da wird erst gar nicht versucht, das Geschmackserlebnis hervorzuheben (der extrem bittere Geschmack dürfte nur wenige Liebhaber finden), sondern subtil auf die besondere Geschichte des Absinth und auf die Wirkung psychoaktiver Substanzen abgestellt: „Ich bin die Inspiration“ heißt es lapidar auf der Startseite eines deutschen Internet-Anbieters.

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