Eissalons

Medizin im Stanitzel

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veröffentlicht: 20.08.2013

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Ein Eisgeschäft in Wien verkauft „gesundes Eis“. Da sind wir doch skeptisch.

„Eis essen ohne Reue“ - das verspricht der Wiener Eissalon Summer Samba auf seiner Internetseite. Das Gefrorene wird aus tropischen Früchten hergestellt, der Fruchtanteil beträgt laut eigener Angabe zwischen 40 und 60 Prozent. Und diese Früchte stecken voller „wertvoller Vitamine, Mineralstoffe, sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe und Ballaststoffe“, kurz eine „ernährungsphysiologische Revolution beim Speiseeis“ bahnt sich hier an.

Wundertätige Früchtchen

Einige der Früchte und Beeren, die verwendet werden, sind auch hier zu Lande bekannt, neben Mango und Maracuja zum Beispiel die Acai-Beere: Die schützt angeblich Zellen vor freien Radikalen sowie Gefäße, Herz und Kreislauf, verbessert die  Durchblutung, hemmt Entzündungen, tut der Haut gut,  senkt den Cholesterinspiegel und stärkt das Immunsystem. Also ein bisschen viel, was diese Frucht alles bewirken kann. Auch die anderen verwendeten Exoten  sollen Krankheiten verhüten helfen, von Brust- oder Prostatakrebs über Diabetes und Rheuma bis hin zu banalen Erkältungen. Kurz: Wer dieses Eis isst, benötigt, das legen zumindest die Informationen auf der Internetseite nahe, keinen Arzt.

Keine Studien

Bei der Aufzählung dieser wundersamen Wirkungen beruft sich Summer Samba immer wieder auf Studien. Nun wird die Acai-Beere  schon seit einiger Zeit als Gesundheits-Geheimtipp gehandelt. Daher haben wir schon vor einiger Zeit die Werbeaussagen über diese Frucht unter die Lupe genommen. Zwar wurde unter Laborbedingungen eine antioxidative Wirkung festgestellt. Ob das auch im menschlichen Organismus gegen freie Radikale hilft, ist aber noch nicht erforscht. Auch zu den anderen Aussagen über diese Wunderbeere haben wir keine wissenschaftlichen Belege gefunden.

Verarbeitung reduziert Mikronährstoffe

Keine Frage: Früchte sind gesund. Sie enthalten tatsächlich viele wichtige Stoffe, die so genannten Mikronährstoffe wie beispielsweise Vitamine, Mineralstoffe und andere. Allerdings, wie der Begriff „Mikronährstoff“ schon andeutet, in kleinen Mengen. Und um Eis daraus zu machen, muss das Obst gewaschen, geschält, gekocht, zerkleinert usw. werden. Dabei bleibt nur ein Teil dieser Substanzen erhalten. Die Menge an gesundheitlich wirksamen Substanzen, die man sich beim Eis essen einverleiben kann, ist also gering.

Allergien nicht ausgeschlossen

Wunder sollte man sich von diesem tropischen Fruchteis nicht erwarten. Und gerade Früchte können oft auch unerwünschte Wirkungen haben. Bei Personen, die dazu neigen, können sie Allergien hervorrufen. Zwangsläufig gibt es für diese weitgereisten  Arten auch keine Erfahrungswerte.  

Werbung mit Gesundheit unzulässig

Die Werbung für angeblich „gesunde“ Lebensmittel hatte überhandgenommen. Daher hat die EU eingegriffen:  Wer ein Lebensmittel als gesund bewirbt, muss dies bei der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit genehmigen lassen und Beweise für seine Behauptung vorlegen. Wir wollten uns bei Summer Samba erkundigen, ob eine solche Genehmigung eingeholt wurde. Leider aber blieb unser E-Mail ohne Reaktion.

Unser Fazit: Speiseeis enthält nicht nur Früchte, sondern auch Fett und Zucker. Deshalb schmeckt es uns ja so gut! Sein gesundheitlicher Nutzen ist aber eher gering – exotische Früchte hin, Mikronährstoffe her. Anders gesagt: Bei diesen „wundersamen“ Wirkungen der Eis-Zutaten fragt man sich, warum dieses Eis nicht in der Apotheke verkauft wird.


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