Fertiggerichte (Kommentar)

Essen, das aus der Kälte kam

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Konsument 5/2008 veröffentlicht: 23.04.2008

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"Kunde König" - ein satirischer Kommentar von Alois Grasböck, diesmal zu Fertiggerichten.

Manchmal sind Fertiggerichte richtig komisch. Etwa wenn sich eine Pizza „Die Ofenfrische“ nennt, obwohl sie steinhart gefroren in der Kühltruhe ruht. Da möchte man fast, wenn einem die kleinen Angestellten im Supermarkt nicht so leid täten, mit höhnischem Unterton fragen: „Wenn das ofenfrisch ist, ist dann eure Haltbarmilch kuhwarm? Wissen Sie überhaupt noch, was ofenfrisch ist?“

Und falls die armen Angestellten, die ja nichts dafür können, ein wenig schlagfertig wären, würden sie antworten: „Natürlich weiß ich, was ofenfrisch ist. Unsere Semmeln zu Beispiel, die wir in der Backstation aus kleinen eisigen Teigklumpen herstellen.“

Frisch oder aus dem Kühlregal

Weiters gibt es Fertigmenüs, die sich für küchenfrisch halten, obwohl sie schon geraume Zeit in einem Kühlregal vor sich hinfrösteln. Es scheint ein starker Trend zu sein, dass dem Essen der modernen Zeit mehrmals heiß-kalt gegeben wird.

Wie man hört, liegt es daran, dass die Menschen immer weniger Zeit zum Kochen haben, weil sie das Geld für die Fertiggerichte verdienen müssen. Manchen gelingt es nicht einmal mehr, ein paar Erdäpfel in die Pfanne zu schneiden und anzubraten. Warum sonst sollte es Brat-Erdäpfel als Fertiggericht geben?

Fertig-Spiegelei

Nachdem die Entwicklung so weit fortgeschritten ist, dürfte das Fertig-Spiegelei zum Aufwärmen in der Mikrowelle nicht mehr weit entfernt sein. Und sollte es beim Warten auf Kundschaft ungebührlich zäh werden, kann man sich’s immer noch an die Wand hängen und mit den Augen essen.

Eine Bitte dazu: Wenn es so weit ist, dann nennt das Fertig-Spiegelei wenigstens nicht „herdplattenfrisches Frisch-Bauernspiegelei“. Es schaut so seltsam aus, wenn man sich als Kunde im Supermarkt alle paar Meter genötigt sieht, ein grimmiges Lachen von sich zu geben.

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Bild: VKI