Go, Verbraucher, go!

Moderne Zeiten sind halt so

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KONSUMENT 9/2013 veröffentlicht: 29.08.2013

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Der moderne Mensch erhält am Morgen von seinem Shampoo den Befehl „Wash and go!“, macht sich hastig auf den Weg und frühstückt im Vorbeilaufen einen Coffee to go. - "Kunde König", ein satirischer Kommentar von Alois Grasböck.

KONSUMENT-Kolumnist Alois Grasböck 
Alois Grasböck

Go, Verbraucher, go, die Zeiten sind halt so! Angefangen hat es ja mit den Drivern, die sich für ihre Kalorien lieber bei einem Drive-in-Stau anstellen, anstatt vorübergehend aus dem Auto zu steigen. Böswillige Vermutungen, dem einen oder anderen sei wohl der Hintern am Fahrersitz angewachsen, liegen falsch und sind zurückzuweisen. Drive-in ist für viele einfach cooler als Park and go die paar Meter zur Burgerhütte.

Drive and eat - Müllentsorgung

Manche schätzen an Drive and eat offensichtlich auch, dass man während der Fahrt den Verpackungsmüll entspannter in der Gegend verstreuen kann als im Stehen, wo einen womöglich ein Mistkübel vorwurfsvoll anschaut. Doch das nur am Rande, genauer gesagt am Straßenrande.

"Ich hätte gern ... zum Mitnehmen"

Das Gehen war also ein wenig ins Hintertreffen geraten, wenngleich es sich bemühte, als Nordic Walking moderner zu wirken. Was jedoch nichts daran änderte, dass ein Satz wie „Ich hätt‘ gern einen kleinen Schwarzen zum Mitnehmen“ irgendwie komisch und altmodisch klingt.

Go, Verbraucher, go!

Doch kaum war die Idee geboren, diesen Vorgang Coffee to go zu nennen, gab der Fortschritt seinen Segen dazu und bestreute sowohl den Coffee als auch das go mit Coolness. Go, Verbraucher, go! Und das nicht nur mit dem Coffee. Manche essen im Gehen, telefonieren im Gehen, und wenn sie auf dem Klo doch einmal sitzen müssen, schreiben sie Mails und blättern im Internet. So manchen mutmaßlichen Workaholic, der auf dem Weg in die Firma schon so viel workt, möchte man fragen: Und was tun Sie eigentlich den ganzen Tag im Büro?

"To go" als Trendbezeichnung

Egal, das ist ja sein Coffee. Und es gibt noch viel zu modernisieren. Würstelstandler, die den Leberkäse noch mit den Worten „Zum Da-Essen oder Mitnehmen?“ herunterschneiden, werden sich dem Trend nicht ewig verschließen können. Dann werden sie mit „To stay or to go?“ auch cool sein.

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