Grillsaison eröffnet: Fleisch verbrannt

Glosse von Alois Grasböck

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Konsument 6/2010 veröffentlicht: 21.05.2010

Inhalt

Wann ist ein Mann ein Mann? Wenn er, so die Legende, am Grill steht, sich das Feuer untertan macht und das erjagte Fleisch röstet.  - "Kunde König" - ein satirischer Kommentar zum Thema Grillen von Alois Grasböck.

Beim Grillen erwachen uralte Instinkte in ihm, derweilen sich die dienenden Frauen um Nebensächlichkeiten wie den Gurkensalat kümmern dürfen. 

Wo bleibt der Steinzeit-Stil?Bild: VKI

Diese und ähnlich abenteuerliche Theorien dürften allerdings veraltet sein. So steht bei Karl May nirgends, dass Old Shatterhand am Lagerfeuer gerufen hätte: "Winnetou, die Bärentatzen unbedingt mit einem Hauch Dijon-Senf und einem warmen Baguette, gell!" Bei vielen Grillern von heute ist das Normalität, und wenn in ihnen etwas erwacht, dann der Ehrgeiz des Hobbykochs. Das Lagerfeuer ist längst dem Kugelgrill gewichen, die raue Romantik einer fachkundigen Diskussion über die Wahl der passenden Getränke. Man muss schon Pech haben, um auf Reservate zu stoßen, in denen die Grillerei noch an den Steinzeit-Stil erinnert.

Nichts für Warmduscher

Dass eine wahrlich urige Fleischverbrennung im Gange ist, erkennt man dann schon an der fettigen Wolke, die sich über die Landschaft legt und die Nachbarn flehen lässt: Der Wind sei uns gnädig! Insbesondere dann, wenn Benzin – ein bedauerlicher Stilbruch, denn das gab es in der Steinzeit nicht – als Brandbeschleuniger im Spiel ist. Manche Spezialitäten verlangen tatsächlich den ganzen Mann, die sind nichts für Warmduscher: Speckstreifen in der Aschekruste oder Bauchfleisch mit zarten schwarzen Brandblasen. Doch der Mensch lebt nicht vom Fleisch allein, es muss auch mal ein Bierchen sein.

Voll in der Glut

Mancherorts gilt eine Grillparty erst dann als gelungen, wenn auch die Gäste voll in der Glut sind. Bei solchen Anlässen ist manchmal schwer zu unterscheiden, ob man Freuden- oder Schmerzgeheul hört. Denn laut einer Statistik aus dem Vorjahr verletzen sich im Sommer täglich fünf Griller. Für tausend pro Saison geht es so böse aus, dass sie im Spital behandelt werden müssen. Diesbezüglich hatten es die Indianer beim Grillen leichter, denn die kannten bekanntlich keinen Schmerz.

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