Käsekrainer und Gulasch

Als es um die Wurst ging

Seite 1 von 1

KONSUMENT 7/2012 veröffentlicht: 25.06.2012

Inhalt

Der Streit mit den Slowenen um die Käsekrainer ist beigelegt. - "Kunde König", ein satirischer Kommentar von Alois Grasböck. 

KONSUMENT-Kolumnist Alois Grasböck 
Alois Grasböck

Es hätte ein heißer Frühling werden können. Die Fronten schienen schon verhärtet, die Gegner standen Senftube bei Fuß, doch dann hatten die hektischen Friedensverhandlungen Erfolg.

Österreich bleibt die "Käsekrainer“

Der slowenische Landwirtschaftsminister ließ durchblicken, sein Land habe nichts dagegen, wenn Österreich weiterhin die Bezeichnung "Käsekrainer“ verwende. Slowenien wolle sich nur die "Kranjska Klobasa“ schützen lassen, und die sei eine ganz andere Wurst.

Slowenenfeindlichen Ausschreitungen am Würstelstand

Wenn nicht ein paar Scharfmacher in den Wurstkessel spucken, dürfte der Konflikt ausgestanden sein. Das bewahrt uns vor slowenenfeindlichen Ausschreitungen an den Würstelständen, denn eines hat die Krise gezeigt: Wenn es um unser kulinarisches Kulturgut geht, kennt ein Teil der Österreicher keine Gnade. Da wurde so manche Stimme laut, die hart an der Grenze zu "Wir wollen den totalen Wurstkrieg!“ lag. Bei dieser Vorstellung gefriert einem das Cholesterin in den Adern. Das Bundesheer fährt, angestiftet vom Boulevard, mit Gulaschkanonen an der Grenze auf. Die Slowenen schlagen zurück, indem sie sich mit den Ungarn verbünden, die uns daraufhin das Wort "Gulasch“ verbieten.

Ein bisschen Frieden

Zum Glück war die Politik bemüht, ein bisschen Frieden zu signalisieren und sich anderen Problemen, etwa den allerorten klaffenden Budgetlöchern, zu widmen. Freilich ist Wachsamkeit geboten für den Fall, dass jemand neue Wurstkonflikte um das Burenhäutl, die Debreziner oder die Frankfurter vom Zaun bricht. Andererseits sind die Österreicher bekannt dafür, dass Krisen ihre Kreativität fördern. Ein großer Hersteller hat sich, als die Käsekrainer bedroht schien, die Bezeichnung "Käsegriller“ schützen lassen. Und der kleine Mann in der Imbissbude hätte neben dem appetitanregenden Fachausdruck "Eitrige“ sicher auch andere Auswege gefunden. Vielleicht „A Anti-Slowenen-Haaße mit an Siaßn“. Aber gut, wenn es dazu nicht kommt. Weil a Haaße mit Hass sicher nicht gesund ist.

Bewertung

Wertung: 0 von 5 Sternen
KONSUMENT-Probe-Abo