Kinderlebensmittel

Süße Werbelügen

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Konsument 8/2006 veröffentlicht: 13.07.2006, aktualisiert: 26.07.2006

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In der Werbung bekommen wohlumsorgte Kinder regelmäßig spezielle Kinderlebensmittel, damit sie gut gedeihen. In der Realität fördern sie die Entstehung von Übergewicht und Karies.

Falsche Ernährung bei Kindern

Die Zahl der [ übergewichtigen Kinder ] nimmt stetig zu. Untersuchungen zufolge ist bei uns bereits jedes fünfte bis siebente Kind zu dick. Hauptursachen sind ungesunde Ernährung und mangelnde Bewegung. Unsere Kinder essen zu viel, zu fett und zu süß. Die Folgen können fatal sein, denn überschüssige Kilos erhöhen das Risiko für Herzerkrankungen, Erkrankungen der Galle, Bluthochdruck, Diabetes, Abnützungserscheinungen der Gelenke, psychische Probleme …

Verlockende Angebote

Klar: Eltern wollen ihre Kinder gut und gesund ernähren. Geht es nach der Werbung, bräuchten auch schon längst dem Babyalter entwachsene Kids eine Extrakost. Denn was kann schließlich besser sein als „speziell für Kinder entwickelte“ Nahrungsmittel „mit viel Calcium“, „mit vielen Vitaminen“, „ohne Kristallzucker“? In zahllosen Spots werden Kinderlebensmittel als auf die Bedürfnisse von Kindern abgestimmt angepriesen. All die Einschaltungen verfehlen ihre Wirkung nicht. Am Markt können sich Kinderlebensmittel gut behaupten.

Die Werbewirkung nicht verfehlt

Die Kleinen fahren auf die Spots, die poppige Aufmachung und beigepacktes Spielzeug ab – die Großen kaufen, geködert von Gesundheit verheißenden Werbeaussagen. Und das Angebot wächst ständig. Mittlerweile werden in den Supermärkten bereits einige hundert für Kinder konzipierte Produkte angeboten - siehe unseren Bericht über die Aktion [ „Billa 4Kids-Snack“ ]. In unserer Bildergalerie links oben zeigen wir eine kleine Auswahl dieser süßen und fetten und gar nicht so wertvollen Produkte.

Rechtlich nicht geregelt

Für industriell erzeugte Babynahrung gibt es strenge und rechtlich verbindliche Definitionen. Der Nährstoffgehalt ist produktspezifisch festgelegt, und für Schadstoffe gibt es Grenzwerte. Zwischen Erwachsenen- und Kinderlebensmitteln wird dagegen kein Unterschied mehr gemacht. Was letztendlich für Kinder ausgelobt und in Packungen mit aufgedruckten Comicfiguren oder Serienhelden gesteckt wird, bleibt den Herstellern überlassen. Es spricht bereits für sich: Am häufigsten werden Kinderlebensmittel im Süßwarenbereich angeboten. Aber auch bei Frühstücks-Zerealien, Milchprodukten und Getränken finden sich viele Kinderprodukte.

Nur wenig Calcium im "Milch"-Riegel

Wie ist das nun mit der Extra-Portion Milch oder dem vielen Calcium, das laut Packungsaufdruck und Werbung aus Schokoriegeln oder süßen Schnitten eine gesunde Nascherei, wenn nicht gar eine ideale Pausen- und Zwischenmahlzeit machen soll? Wahr ist: Calcium ist wichtig für Knochen und Zähne. Schulkinder sollten daher täglich einen halben Liter Milch trinken (oder gleichwertige andere Milchprodukte zu sich nehmen). Doch die meisten Schnitten oder Riegel enthalten nur wenige Esslöffel Milch (oft aus Milchpulver). Ihr Beitrag zur Calcium-Versorgung ist also äußerst bescheiden.

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