Kürbiskernöl: Kerne aus China

Kein steirischer Brauch

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Konsument 6/2009 veröffentlicht: 05.06.2009

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Statt aus der Steiermark kommen die Kerne für viele Kernöle aus dem Fernen Osten. Das wird auf den Ölflaschen allerdings wortreich verschwiegen. - Lesen Sie auch unseren aktuellen Test "Kürbiskernöl - Von wegen steirisch! " in KONSUMENT 5/2012.

Ehrlich gestanden: Als Nicht-Steirer kommt einem der Kult, den die Bewohner der Grünen Mark um ihr Kernöl machen, etwas – nun ja, übertrieben vor. Spätestens nach einem Urlaub in der Steiermark versteht man aber, warum die Steirer ihr Öl so lieben. Es schmeckt tatsächlich großartig.

Heiß begehrt, gut verkauft

Und weil das grün-schwarze, nussig-aromatische Öl inzwischen außer in der Steiermark

 Vorbildlich: Die Kennzeichnung des
 Vorbildlich:
Die Kennzeichnung des
"Steirischen Kürbiskern-
öls“ von Steirerkraft
lässt keine Fragen offen.
Zur Nachahmung
empfohlen!

auch in den anderen Bundesländern, in halb Deutschland und Teilen der Schweiz heiß begehrt ist, steht immer mehr Kernöl in den Regalen – vom Diskonter bis zum Edelgreißler. Woher kommt plötzlich das viele Öl, woher stammen die für die Öl­gewinnung in großem Stil benötigten ­Kürbiskerne?

Diese Fragen beschäftigen uns schon lange. Umso mehr, als branchenintern zu hören ist, dass der Rohstoff fürs Kernöl keineswegs, wie auf den meisten Ölflaschen suggeriert, ausschließlich aus der Steiermark kommt. Also her mit ­einem Kernöl-Test, um herauszufinden, was Sache ist.

Auf Isotope untersucht

Klingt einfach, doch die Tücke steckt im Detail. Ein Nachweis der Herkunft gelingt nämlich nur mit der sogenannten Iso­topenmethode. Dabei werden die Kohlenstoffverhältnisse des untersuchten Kernöls mit jenen der ­Bodenproben aus den Anbau­gebieten der Ölkürbisse verglichen. Aussagekräftig ist dieser Test aber nur, wenn auf den Feldern über einen längeren Zeitraum mehrfach Proben gezogen werden. Das ist naturgemäß sehr kostenintensiv und ohne einen strategischen Partner, wie etwa die stei­rische Landesregierung, die bereits seit Längerem Bodenproben zieht, für uns ­allein nicht zu schaffen.

Untersuchung ist überfällig

Nächste Hürde: Noch wird diese Unter­suchungsmethode von Experten als sehr unsicher eingestuft. So sind in Ungarn angebaute Kerne jenen aus der Steiermark im Isotopenmuster zum Verwechseln ähnlich. Sehr wohl möglich ist dem Vernehmen nach aber die Unterscheidung von europäischer und chinesischer Ware. Wir hoffen, dass im kommenden Jahr ein diesbe­züglicher Test gelingt. Dass eine solche ­Untersuchung überfällig ist, sehen Sie im ­Folgenden.

Vorstellung eines österreichischen Produktes

Was verbinden die meisten Konsumenten mit dem Wort „Kernöl“? Natürlich die Steiermark, wo auf den Feldern zwischen den Weingärten die großen orange-grünen Ölkürbisse, auch Plutzer genannt, heran­reifen. Genau diese Vorstellung von einem zutiefst österreichischen Produkt bringen so gut wie alle Ölverkäufer fett ins Bild. Kaum ein Flaschenetikett, das nicht in Grün, manchmal auch in Weiß und Grün, den Landesfarben der Steiermark, gehalten ist. Und am häufigsten zu sehen: jede ­Menge orange-grüne Kürbisse.

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