Kunde König: Essen ist kein Honiglecken

Was wir essen wollen oder dürfen

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Konsument 8/2005 veröffentlicht: 25.07.2005

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Ein satirischer Kommentar von Alois Grasböck.

Ist der Mensch, was er isst?

Alois Grasböck

Alois Grasböck: "Heute, wo nichts leichter ist, als sich einen gewaltigen Schwimmreifen anzufressen, sollen wir dünn sein!"

Der Mensch ist, was er isst? Wenn das stimmt, wäre es dann nicht ratsam, möglichst Speisen mit einer hohen Dosis an Konservierungsmitteln zu sich zu nehmen, um das eigene Ablaufdatum zu verlängern?

Wir sehen schon, so einfach ist es nicht. Überhaupt hat der Überfluss die Ernährung so kompliziert gemacht, dass einem das Grausen kommen könnte. Eine der größten Gemeinheiten, die sich die Mode je erlaubt hat, ist diese: Als die meisten Menschen den Hunger noch kannten, galt es als schick, möglichst dick zu sein. Aber heute, wo nichts leichter ist, als sich einen gewaltigen Schwimmreifen anzufressen, sollen wir dünn sein!

Satte Zeiten sind kein Honiglecken

Eine Esser-Karriere ist in dieser satten Zeit wahrlich kein Honiglecken. Kaum versteht man als Kleinkind die Sprache, muss man auch schon erfahren, dass sich zahllose Kinder falsch ernähren und so den Grundstein für allerlei Beschwerden legen.
So geht es dann ein Leben lang weiter. Sobald einem etwas schmeckt, hebt auch schon irgendwo ein Experte den warnenden Finger. Eine Untersuchung aller Diäten der vergangenen 20 Jahre würde zweifellos ergeben: Alles galt schon einmal als ungesund oder dick machend.

Stimme des Körpers ist leise

Angeblich sagt der Körper selbst, was er gerade brauchen könnte. Aber er spricht mit so leiser Stimme, dass man ihn in dem Geschrei ringsherum oft gar nicht mehr hört. Auf der einen Seite verspricht eine mannigfache Werbung tausend Genüsse und Wohlbefinden, auf der anderen Seite ertönt ein Chor von Bedenken.

Halbes Kilo Grammelschmalz?

Am glaubwürdigsten ist der Tipp: Weniger von allem. Das sollte man auch dem Körper sagen, falls er sich in einer stillen Stunde mit der Botschaft, er hätte jetzt gern ein halbes Kilo Grammelschmalz, Gehör verschaffen sollte.

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