Lebensmittel auf dem Prüfstand

"Originell statt Original"

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veröffentlicht: 12.08.2009

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Analogkäse und Wasserschinken sind seit einiger Zeit in aller Munde. Selbst wenn diese keine Gesundheitsgefährdung darstellen, ist die Verunsicherung der Konsumenten groß.

Versprechungen versus Realität

Rund 60 Produkte hat „Konsument“-Ernährungswissenschafterin Birgit Beck stichprobenartig im Rahmen einer Einkaufstour in den Warenkorb gefüllt (siehe Download rechts "Lebensmittelimitate & Co"). Darunter:

  • Zitronenlimonade
  • Erdbeerjoghurt
  • Pesto
  • Kürbiscremesuppe
  • Garnelen
  • Schafkäse
  • Rindsroulade
  • Schokomilch
  • Früchtetee und
  • Thunfischaufstrich

Ein genauerer Blick auf die Zutatenliste zeigt: Der Inhalt hält mit den Versprechungen bzw. dem Erwarteten nicht immer Schritt – was sowohl für Billigprodukte als auch für Markenprodukte gilt. Da wird das ganze Rahmschnitzerl schon auch mal zum Formfleisch, der Schaf(misch)käse zu Magermilch und Pflanzenöl in Salzlake, oder der Vanilletraum zum Milchmischgetränk mit Beta Carotin und Aroma – ohne echte Vanille.

Der Konsument wird an der Nase herumgeführt

Imitationen finden sich vielfach: Ob nun begünstigt durch bildliche Darstellungen, eine geringere Menge an Inhaltsstoffen, ausgeklügelte Produktbeschriftungen oder das bewusste Spiel mit Assoziationen. Wer hinterfragt etwa, ob die angepriesene Schokomilch nicht doch aus Kakaopulver und Aroma besteht oder die in Schokolade getunkten Enden der Linzerkipferl letztlich doch nur aus kakaohaltiger Fettglasur bestehen? Für manchen mag der Unterschied von Kakao und Schokolade ohnehin vernachlässigbar sein - in der "Geldbörse“ der Produzenten ist er es nicht.

Großes Täuschungspotential haben auch die Aromen: Eines der wohl beliebtesten ist die Vanille, ob nun in der vermeintlichen Vanilletopfencreme, dem Milchmischgetränk oder dem Vanilleeis – die dann allesamt ohne  Vanilleschoten auskommen. Doch auch in Keksen, Pudding, Limonaden oder Cappuccino tummeln sich die Aromen, ob nun mit Erdbeer-, Zitrone-, Himbeer- oder Haselnuss-Geschmack. „Nicht selten werden dabei auf den Verpackungen Abbildungen von Früchten geboten, die in Wirklichkeit nicht annähernd enthalten sind und zur Irritation der Verbraucher beitragen“, beanstandet Birgit Beck.

Inhaltsstoffe in geringer Menge enthalten

Die Grenze zwischen Aufmachung und Inhalt verschwimmt nicht zuletzt dann, wenn zwar die angepriesenen Inhaltsstoffe tatsächlich enthalten sind – allerdings nur in sehr geringer Menge: etwa das Erdbeerjoghurt mit nur einem Prozent Erdbeeren, oder die Kürbiscremesuppe mit nur neun Prozent Kürbis. Umgekehrt gibt es auch den Fall, bei dem Produkte mit zusätzlichen billigen Zutaten gestreckt werden: So enthält etwa ein Pesto in der Erhebung zusätzliche Zutaten wie Molke und Reismehl, die in einem klassischen Pesto nichts verloren haben. Abgesehen davon wurden die Pinienkerne in diesem Fall mit Cashewkernen ersetzt und Olivenöl zum größten Teil mit Sonnenblumenöl – à la: „Es merkt keiner, wenn’s auch billiger geht.“

Zutatenliste genau anschauen

"Die Produkte müssen nicht per se schlechter sein, so hat etwa Schinken mit mehr Wasser zugleich auch weniger Kalorien. Unter Einhaltung hygienischer Standards stellen all diese Produkte – maßvoll genossen – keine Gesundheitsgefährdung dar. Dreh- und Angelpunkt ist aber nicht, ob die Produkte gesund oder schädlich sind, sondern die mögliche Verbrauchertäuschung und deren Ausmaß“, kritisiert Birgit Beck. Konsumenten, die auf Nummer sicher gehen möchten, rät die „Konsument“-Ernährungswissenschafterin zum genauen Blick auf die Zutatenliste: „Je kürzer und einfacher diese ist, umso besser. Je mehr E-Nennungen darauf zu finden sind, desto länger wurde das Produkt verarbeitet.“ Zudem steht auf verpackten Produkten  eine Zutatenliste. Die Zutaten sind mengenmäßig gereiht, d.h. das was als erstes steht, ist am meisten drinnen. Steht z.B. Aroma vor dem Käse, ist mehr Aroma als Käse enthalten.

Klare Kennzeichnung nötig

„Die feinen Unterschiede zwischen Original und Imitat sind aber selbst für Experten nicht immer einfach sichtbar. Umso notwendiger ist eine verpflichtende und unmissverständliche Kennzeichnung von Lebensmittelimitaten – und zwar auf europäischer Ebene“, fordert Franz Floss, Geschäftsführer und Leiter des Bereichs Untersuchung beim VKI. „Selbst wenn gewisse Ersatzstoffe einigen Zielgruppen durchaus recht kommen, etwa wenn sich Käseimitate auch für Veganer oder Menschen mit Lactoseintoleranz eignen: Wenn Käse draufsteht, dann soll er auch drinnen sein.“

SERVICE: Eine Liste mit sämtlichen Produkten der Erhebung können Sie rechts als PDF-Datei herunterladen.

Bild: VKI