Lebensmittel: Klonfleisch

Nichts entschieden

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veröffentlicht: 27.07.2009

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In der EU sind Lebensmittel von geklonten Tieren verboten. Doch für Lebensmittel, die von Nachkommen geklonter Tiere stammen, gibt es derzeit keine gesetzliche Regelung. Diese Lücke soll nun geschlossen werden.

Fleischkonsum zu hoch: Darf es noch etwas mehr sein? Aber ja, bitte! Unser Appetit auf Fleisch ist groß. Durchschnittlich verzehren Erwachsene 127 Gramm Fleisch und Wurst pro Tag und überschreiten damit die empfohlene Menge von 43 bis 86 Gramm, wie dem aktuellen Österreichischen Ernährungsbericht (Institut für Ernährungswissenschaften, Universität Wien) zu entnehmen ist.

Das bei uns verspeiste Fleisch ist herkömmlichen Ursprungs. Das heißt, es stammt von „ganz normalen“ Tieren. Klonfleisch würde bei uns wohl großteils in den Regalen liegen bleiben: Denn Lebensmittel von geklonten Tieren (dazu zählen neben Fleisch auch Milchprodukte) werden in Europa strikt, und in Österreich ganz besonders vehement abgelehnt. Das hat eine europaweite Umfrage im Auftrag der Europäischen Kommission zum Thema „Einstellung der EuropäerInnen zum Klonen von Tieren“ klar ergeben. Klonen im Bereich der Lebensmittelerzeugung stößt demnach kaum auf Akzeptanz. Und: Sollten solche Lebensmittel je bei uns in den Geschäften angeboten werden, dann sollten sie klar gekennzeichnet sein, fordert ein Großteil der Befragten.

Klonen: genaue Kopie

Beim Klonen wird eine genetisch identische Kopie eines bereits existierenden Tieres hergestellt. Bei der Technik des somatischen Zellkerntransfers, dem laut Europäischer Behörde für Lebensmittelsicherheit (ESFA) am häufigsten zum Klonen von Tieren angewandten Verfahren, wird einem Tier eine Körperzelle entnommen, der Zellkern isoliert und in die entkernte Eizelle eines weiblichen Tieres übertragen. Der sich daraus entwickelnde Embryo wird anschließend in die Gebärmutter eines Leihmuttertiers eingesetzt und wächst dort bis zur Geburt heran.

Die US-amerikanische Lebensmittelsicherheitsbehörde FDA (Food and Drug Administration) hat Fleisch- und Milchprodukte von geklonten Rindern, Schweinen und Ziegen als unbedenklich für den menschlichen Konsum erklärt und Anfang 2008  als Lebensmittel zum Verkauf freigegeben. Diese Produkte sind in den USA nicht speziell gekennzeichnet.   

Novel Food

In der EU sind Lebensmittel von geklonten Tieren verboten. Doch für Lebensmittel, die von Nachkommen geklonter Tiere stammen, gibt es bislang keine gesetzliche Regelung. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (ESFA) hat in einem Gutachten festgehalten, dass Fleisch und Milch von geklonten Rindern und Schweinen bzw. von deren Nachkommen auf Basis derzeit verfügbarer Daten so sicher sind, wie Lebensmittel von herkömmlichen, gesunden Tieren, auf die die einschlägigen Lebensmittelkontrollen angewandt werden. Um aber beurteilen zu können, ob die Erkenntnisse über das Klonen von Rindern und Schweinen auch auf andere Tierarten (z.B. Beispiel Schafe, Ziegen oder Hühner) angewendet werden können, reichen die vorhandenen Daten noch nicht aus, heißt es von Seiten der ESFA weiter.

Um die Lücke im rechtlichen Regelwerk der EU zu schließen, ist nun geplant, Lebensmittel von geklonten Tieren und von deren Nachkommen als „Novel food“ zu behandeln. Das bedeutet, dass solche Produkte seitens der Lebensmittelsicherheitsbehörde EFSA erst einmal zugelassen und obendrein gekennzeichnet werden müssen. All das ist aber noch nicht entschieden.

Was gegen Klonen spricht

Es gibt eine Reihe von Gründen, die gegen die Erzeugung von Lebensmitteln aus geklonten Tieren sprechen. Selbstverständlich auch ethische. Laut Europäischem Büro der Verbraucherorganisationen (BEUC) gehen mit dem Prozess des Klonens eine Reihe von Tiergesundheits- und Tierschutzproblematiken einher. Darunter Missbildungen der Plazenta (Mutterkuchen), übermäßiges fötales Wachstum, diverse Organmissbildungen. Geklonte Tiere haben zudem häufig Entwicklungsstörungen, viele auch Krankheiten und verenden bald. Etwaige Zulassungen von Lebensmitteln aus geklonten Tieren sollen daher in Hinkunft in der EU auch von der Zustimmung einer Ethikkommission für Wissenschaft und neue Technologien abhängig gemacht werden. Bild: iStockphoto.com/dra_schwartz  

Genetische Vielfalt geht verloren

Bei der herkömmlichen Zucht von Nutztieren wird versucht, bestimmte Eigenschaften der Elterntiere zu kombinieren. Ob die nächste Generation dann tatsächlich die erwünschten Eigenschaften hat, kann allerdings niemand garantieren. Denn je nach Aufteilung der Gene können Eigenschaften verloren gehen oder auch neue entstehen. Beim Klonen bleiben Eigenschaften erhalten.

Einige Nutztierrassen sind allerdings bereits jetzt vom Aussterben bedroht. Durch Klonen kann die natürliche genetische Vielfalt weiter reduziert bzw. letztendlich überhaupt verloren gehen. Konsequent weiter gedacht: Beim Auftreten von Krankheiten wären alle geklonten Tiere einer Gattung betroffen. Ein katastrophales Szenario für Bauern mit Viehzucht. Versorgungsengpässe bei den entsprechenden tierischen Nahrungsmitteln wären zudem die Folge.

Klonfleisch: Einfach unnötig

Derzeit zahlt sich Klonen im Bereich der Nahrungsmittelproduktion nicht aus. Es ist teuer, die Erfolgsrate gering. Die höchste Erfolgsquote (gegen 20 Prozent) ist beim  Klonen von Rindern zu verzeichnen. In Hinkunft könnte allenthalben das Klonen genetisch veränderter Tiere mit spezifischen Eigenschaften (beispielsweise von Kühen, die besonders vitaminreiche oder fettarme Milch produzieren) profitabel sein.

Und was Fleisch anbelangt: Bei uns wird davon ohnehin zu viel produziert und konsumiert – auch ohne Klonfleisch. Klonfleisch bietet Konsumenten keinerlei Vorteile.

Bild: Das KONSUMENT-Geschenk-Abo