OPC

Jonglieren mit Pflanzenstoffen

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Konsument 12/2000 veröffentlicht: 01.10.2000

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Es gibt keine stichfesten Beweise für die kühnen Werbeaussagen von OPC-Kapseln. Wissenschaftler raten ab.

Original-OPC hat mein Leben verändert. Keine schweren Beine mehr, Energielosigkeit verschwunden, Haare schöner. Meinen Freundinnen ist aufgefallen, dass ich jünger und schlanker geworden bin.“ (aus einem Zeitungsinserat) – Tja, glücklich, wer solche Freundinnen hat. Ernährungswissenschafter und Mediziner sind da deutlich zurückhaltender: Es fehlen klinisch geprüfte Studien, und wenn beispielsweise der Eindruck vermittelt wird, OPC könne Allergien heilen, „so handelt es sich um eine Falschinformation“, stellt die Österreichische Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie klar. Außerdem darf ein Verzehrprodukt nach österreichischem Lebensmittelrecht gar nicht mit einer vermeintlich heilenden Wirkung beworben werden.

Keine überprüfbaren Angaben

Die Hersteller vermeiden konkrete, nachprüfbare Angaben (auch bei gezielten Anfragen). OPC – Oligomere Procyanidine – ist eine Stoffgruppe und keine exakt definierte Substanz. Sie gehört zur großen Gruppe der Flavanoide. Das sind sekundäre Pflanzenstoffe, die praktisch in jeder Obst- und Gemüsesorte (meist in oder direkt unter der Schale) vorhanden sind. Es gibt zwar starke Anzeichen dafür, dass diese Pflanzenstoffe aufgrund ihrer antioxidativen Wirkung eine größere Bedeutung für die menschliche Gesundheit haben als bisher angenommen. Dass eine einzelne der zahlreichen Substanzen besonders wirksam ist, konnte bisher allerdings nie nachgewiesen werden. Vielmehr nimmt man an, dass sich die kombinierte Wirkung aller in pflanzlichen Lebensmitteln vorhandenen Inhaltsstoffe positiv auf die Gesundheit auswirkt. Mangels Daten können auch keine Richtwerte für die optimale Aufnahmemenge angegeben werden. In hohen Dosen können antioxidative Substanzen sogar den gegenteiligen Effekt haben und toxisch wirken.

Nahrungsergänzungsmittel nicht zu empfehlen

Daher ist die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln, die einzelne Flavanoide in konzentrierter Form enthalten (wie eben OPC), aus ernährungswissenschaftlicher Sicht nicht zu empfehlen. Weit sinnvoller ist die reichliche Aufnahme von Obst und Gemüse, die das ganze Spektrum an sekundären Pflanzenstoffen enthalten. Dies ist auch deutlich billiger: Die Einnahme von OPC-Kapseln belastet die Brieftasche mit bis zu 85 Euro (ca. 1170 Schilling) pro Monat.

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