Pferdefleisch in Fertigmenüs

Weitere falsch deklarierte Nahrungsmittel gefunden

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veröffentlicht: 11.02.2013, aktualisiert: 21.02.2013

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Auch in Österreich, Deutschland und der Schweiz wurde in verarbeiteten Lebensmitteln Pferdefleisch entdeckt, das als Rindfleisch deklariert war. Die Zahl der betroffenen Fleischprodukte steigt. Gesundheitliche Folgen für den Konsumenten sind durch das Pferdefleisch aber nicht zu befürchten.

Das erste in Österreich aufgeflogene Produkt kam von der deutschen Gusto GmbH (Lidl) und hatte die Bezeichnung "Tortelloni Rindfleisch“. Laut aktuellen Meldungen wurde auch bei den Sorten "Kärntner Hauswürstl" und "Lavanttaler Bauernwurst" der Firma Josef Freitag aus St. Georgen im Lavanttal Pferdefleisch entdeckt. Laut eigener Angabe der Fleischerei auf der Homepage sind Produkte der Firma österreichweit bei Spar, Adeg, Billa und MPreis erhältlich.

Unimarkt bzw. Zielpunkt

Nach ersten Verdachtsmomenten haben Unimarkt bzw. Zielpunkt bereits in der Vorwoche den Verkauf von möglicherweise falsch deklarierten Produkten gestoppt. In den seither durchgeführten Untersuchungen wurden in dem Produkt „Jeden Tag“ Lasagne Bolognese tiefgekühlt 400g (von der der ZHG - mbH) Spuren von Pferdefleisch entdeckt. Unimarkt und Zielpunkt haben diesen Artikel bereits aus allen Filialen entfernt.

In Kebap-Drehspieß Pferde-DNA gefunden

In Wien wurde in einer Probe eines Kebap-Drehspießes Pferde-DNA gefunden. Dabei handelt es sich einen Rind-Kalb-Puten-Drehspieß der Firma Lilla Gastronomie KG in Ottakring, informierte die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES).

Zuletzt hatte Lidl ein zweites Produkt vom Markt genommen: "Combino Penne Bolognese 750 Gramm" des Herstellers Copack/Frosta. Eine Eigenuntersuchung von Lidl habe nun den Verdacht auf Pferdefleisch bestätigt.
Ausgegangen waren die Meldungen von der britischen Lebensmittelbehörde. Sie hatte kürzlich in 11 von 18 Proben mit Fertig-Lasagne der Firma Findus Pferdefleisch gefunden. Deklariert war Rindfleisch. Das Pferdefleisch hatte an der Gesamt-Fleischmenge einen Anteil zwischen 60 und 100 Prozent.

Rückrufaktion von Lasagne

Findus hat inzwischen eine Rückrufaktion von Lasagne in Großbritannien und Schweden gestartet. Nach Auskunft der britischen Behörden gibt es keine Hinweise auf ein Gesundheitsrisiko durch den Verzehr der Produkte, berichtete Spiegel online. Es könnten aber Pferde geschlachtet worden sein, die nicht zur Lebensmittelherstellung geeignet sind.

Funde in Deutschland, Schweiz, Spanien, Österreich

Seit einigen Tagen werden in ganz Europa Proben gezogen und analysiert. Dabei wurden auch in anderen Ländern Pferdefleisch gefunden: In Deutschland, der Schweiz, Spanien und auch in Österreich. In Spanien hat die Verbraucherorganisation OCU in zwei Hamburgern Pferdefleisch entdeckt.

Frage 1: Ist der Verkauf von Pferdefleisch in Österreich erlaubt?

Ja. Es gibt aber nur wenige Pferdefleischereien in Österreich. In der normalen Fleischerei und im Supermarkt findet man praktisch keine Pferdefleischprodukte, da viele Verbraucher Pferdefleisch ablehnen. Deutlich mehr Pferdefleisch wird in Italien, Belgien und Frankreich gegessen. Laut deutscher Gesellschaft für Ernährung sind aufgrund der Cadmiumbelastung Nieren und Lebern von Pferden grundsätzlich vom Verzehr auszuschließen.

Frage 2: Wie erkenne ich Pferdefleisch?

Pferdefleisch ist rot bis dunkelrot und schmeckt etwas süßlich; das wird auf den hohen Gehalt an Glykogen im Vergleich zu anderen Fleischarten zurückgeführt. Bei verarbeitetem oder gemischtem Fleisch muss dies aber nicht erkennbar sein. Die Farbe ist vom Alter der Pferde abhängig.

Beim Verkauf von Fleisch muss immer die Tierart angegeben werden. Fleisch von Pferden muss also als „Pferdefleisch“ gekennzeichnet werden. In Fertiggerichten wie Lasagne müsste in der Zutatenliste ebenfalls „Pferdefleisch“ aufgeführt werden.

Frage 3: Wurde in Österreich Pferdefleisch in Rindfleischprodukten gefunden?

Ja. Das Bundesministerium für Gesundheit hat eine Schwerpunktaktion für das Ziehen von Proben veranlasst. Am 15.2. kam die Meldung, dass die österreichische AGES (Agentur für Ernährungssicherheit und Gesundheit)  im  Produkt "Tortelloni Rindfleisch“ des deutschen Herstellers Gusto GmbH  Pferdefleisch gefunden hat. Erhältlich ist das Produkt bei der Supermarktkette Lidl. Betroffen ist die Chargennummer L 13849 mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum 11. März 2013.

Frage 4: Kann ich dieses Produkt zurückgeben?

Ja, weil hier Irreführung vorliegt. Die Firma Lidl hat eine Rückrufaktion veranlasst.

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Kommentare

  • Wie kommt es zu diesen falschen Deklarationen?
    von eiger am 28.02.2013 um 14:12
    Aus meiner Sicht eigentlich kein Wunder sondern ausgeprägte Schlamperei. Betroffen sind meist die Diskounter in deren Produktionsstätten muss alles schnell und spottbillig gehen, dafür wirft man die heimischen Beschäftigten raus und stellt billige Tagelöhner aus Osteuropa für bereits ab 3€ ein. Dass keiner Deutsch kann spielt keine Rolle, hauptsache billig. Unterstützt wird meine Aussage durch eine Dokumentation im ARD.
  • Qualitäts-Auszeichnung der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft DLG
    von REDAKTION am 19.02.2013 um 10:05

    Ein Abonnent berichtet uns folgendes:
    "Das Foto des beanstandeten Lidl-Produkts "Tortelloni Rindfleisch" auf Seite 5 der Wochenendausgabe der Wiener Zeitung vom 16.2.2013 zeigt unübersehbar eine Qualitäts-Auszeichnung der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft DLG. Ich wundere mich, dass die WZ-Redaktion das nicht für bemerkenswert gefunden hat. Man sollte doch dem Verbraucher deutlich machen, was von solchen Auszeichnungen zu halten ist!"
    http://www.wienerzeitung.at/nachrichten/oesterreich/chronik/525047_Lebensmittelskandal-mit-Ansage.html

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