Restaurant: Speisekarte mit Zusatz

Glosse von Alois Grasböck

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Konsument 2/2010 veröffentlicht: 21.01.2010

Inhalt

Die Speisekarte informiert zu wenig. Aber zuviel ehrliche Information wäre auch nicht recht.- "Kunde König": ein satirischer Kommentar zum Thema Speisekarten und Ehrlichkeit von Alois Grasböck.

Bild: VKIMag sein, dass es irgendwo überkandidelte Gastronomen gibt, die ihre Essigwurst als „Wurst-Carpaccio an Essig und Öl“ und das Gulasch als „Boeuf in einem Dialog von Zwiebeln und Paprika“ anpreisen. Doch generell schauen die Speisekarten im Land ganz vernünftig aus.

Zu wenig informiert 

Kommt es in Einzelfällen zu Problemen, dann nicht, weil zu viel versprochen, sondern weil zu wenig informiert wird. So ist uns etwa ein „Feines Rehragout mit Apfel-Rotkraut und Kroketten“ unvergesslich geblieben, weil ein Detail verschwiegen wurde. Vollständig hätte es nämlich heißen müssen: „Mit außen knusprigen, aber innen noch zart gefrorenen Kroketten.“ Wenn einem solches widerfährt, bildet sich sofort der ungute Beigeschmack des Misstrauens. Ist das gutbürgerliche Lokal nur die Kulisse, hinter der ein skrupelloser Wirt in Wahrheit „Billigwild von zweifelhafter Herkunft mit Beilagen aus dem Tiefkühler“ in die Mikrowelle schiebt?

Da grausts dem Abwäscher.. 

Schlucken wir’s runter und hoffen wir das Beste. Viele kochen eh frisch und mit Lebensmitteln aus der Region, da kommt kein Schwein ins Reindl, das der Koch nicht persönlich gekannt hat. Doch ist der Argwohn erst erwacht, meldet sich auch die Phantasie mit unappetitlichen Visionen. Zum Beispiel von einem Wirtshaus, auf dessen Speisekarte, wäre sie vollständig, stehen müsste: „Hausgemachter Erdäpfelsalat mit Majonäse aus einem Eimer, vor dem sogar unserem Abwäscher graust, und das will etwas heißen.“ Würg! Geb’s Lukullus, dass das übertrieben ist.

Risiko des schwarzen Schafes 

So ehrliche Speisekarten wird es nie geben, deshalb bleibt das Risiko, bei einem schwarzen Schaf einzukehren, bestehen. Aber es soll uns wenigstens nichts Schlimmeres passieren als „Panierter Seefisch, den der Käpt’n Iglo wahrscheinlich ins Meer zurückgeworfen hätte“.

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Bild: VKI