Schirnhofer Extrawurst

Neue Produktlinie: "Gesunde Wurst"

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KONSUMENT 5/2012 veröffentlicht: 20.04.2012

Inhalt

Die Firma Schirnhofer aus dem steirischen Kaindorf gehört zu den größten Fleisch- und Wurstwarenerzeugern Österreichs. Seit Kurzem wird eine neue Wurstlinie vermarktet: die Gesunde Wurst.

Bild: VKI13 Produkte stehen zur Wahl, von der Gesunden Extrawurst bis zum Winzerschinken. Die Werbung dafür hat bei vielen Konsumenten Erstaunen und bei der Konkurrenz einiges an Kritik ausgelöst. Wir haben uns die Gesunde Extrawurst näher angesehen und sie zusammen mit anderen Sorten auch verkostet. Was ist dran an den saftigen Behauptungen wie "voller Geschmack", "ohne geschmacksverstärkende Zutaten", "ohne E-Nummern", "für Ihr Cholesteringleichgewicht" und der Feststellung: "Alpha-Linolensäure hilft, den Cholesterinspielgel in Balance zu halten"?

Omega-3-Fettsäuren

Tatsächlich ist die Gesunde Extra vergleichsweise mager. In ihr steckt fast um die Hälfte weniger Fett als in einer herkömmlichen Extrawurst. Die groß hervorgestrichene Alpha-Linolensäure stammt aus dem zugefügten Leinöl. Damit enthält das Produkt mehr Omega-3-Fettsäuren als andere Fleischerzeugnisse. Hält man sich an die österreichische Ernährungspyramide, könnte mit dieser Wurst trotzdem niemand seinen Bedarf an diesen Fettsäuren decken. Dreimal die Woche drei Portionen Gesunde Wurst würden gerade einmal 0,9 bis 1,4 Gramm Omega-3-Fettsäuren liefern. Der wöchentliche Bedarf liegt aber bei 7 bis 9,8 Gramm! Zum Vergleich: Ein Esslöffel Leinöl über den Salat macht 5,3 Gramm Omega-3-Fettsäuren! Und was das Cholesteringleichgewicht anlangt: Dafür ist selbstverständlich die Gesamtheit der Ernährung entscheidend und weniger ein einzelnes Nahrungsmittel.

Salz, Geschmacksverstärkung, Konservierungsstoffe

Der Salzgehalt ist bei der Aufzählung der Vorteile der Gesunden Wurst kein Thema. Aus gutem Grund; in der Gesunden Extra stecken nämlich 2 Gramm Kochsalz pro 100 Gramm Wurst. Würde man hier das Ampel-System der FSA (Food Standards Agency) anwenden, stünde die Ampel auf Rot. Neben viel Salz enthält die Extra auch Acerola-Saft-Pulver. Es wird häufig wegen seiner konservierenden Wirkung eingesetzt, ist aber praktischerweise laut Gesetz kein Konservierungsstoff. Das gilt auch für einige Gewürzextrakte, die sehr wohl geschmacksverstärkende oder färbende Eigenschaften besitzen, rechtlich gesehen aber trotzdem nicht zu den Zusatzstoffen zählen. Nach dem Buchstaben des Gesetzes hat hier damit alles seine Ordnung.

Geschmackstest

Wie schmeckt das neue Produkt? Wir legten Laien drei Gesunde und drei herkömmliche Sorten, nämlich Wienerwurst, Extrawurst und Schinken zum Verkosten vor. Selbstverständlich ohne dass die Tester wussten, was genau sie gerade verspeisen (Blindverkostung). Sowohl beim Geruch als auch beim Geschmack schnitt die Gesunde Extra schlechter ab. Bei den anderen Wurstsorten gab es kaum Unterschiede. Trotzdem lagen auch hier die herkömmlichen Produkte tendenziell besser. Lediglich der Gesunde Schinken konnte einigermaßen überzeugen. Und von wegen "voller Geschmack": Natürlich erkannte die Mehrheit der Verkoster das kalorienärmere Produkt.

Gesamternährung entscheidend

Fazit: Egal, was draufsteht – ein einzelnes Lebensmittel kann niemals gesund sein. Entscheidend ist immer die Gesamternährung. Auch für Fleischtiger heißt das, maximal dreimal pro Woche Fleisch oder Wurst, und zwar möglichst fettarm. Passen die Voraussetzungen, kann Schirnhofers Gesunde Wurst einen Beitrag zu einer ausgewogenen und damit gesünderen Ernährung leisten.

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