Speisekarten: Allergiekennzeichnung

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KONSUMENT 7/2014 veröffentlicht: 26.06.2014

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Wer auf bestimmte Lebensmittel allergisch reagiert oder an einer Unverträglichkeit leidet, für den gleicht das Essen außer Haus oft dem russischen Roulette. Damit sich das ändert, gibt es neue Regeln für die Gastronomie.

Allergien und Unverträglichkeiten bei Lebensmitteln können zu ernsthaften, bisweilen sogar lebensbedrohlichen Erkrankungen führen. Trotzdem ist das Wissen darüber gering. Ausgerechnet in der Gastronomie herrschte dafür lange Zeit kein Bewusstsein – und falls doch, waren die Angebote für Betroffene oft dürftig. Damit soll spätestens ab 13. Dezember 2014 Schluss sein. Dann tritt nämlich die österreichische Durchführungsverordnung zur EU-Verordnung Nr. 1169/2011 in Kraft. - Lesen Sie auch Speisekarten: Allergenkennzeichnung 12/2014

Gastronomie wird in die Pflicht genommen

Konsumenten müssen ab diesem Zeitpunkt auch bei unverpackten Lebensmitteln darüber informiert werden, ob Stoffe enthalten sind, die Allergien oder Unverträglichkeiten auslösen können. Damit wird neben dem Handel auch die Gastronomie in die Pflicht genommen, vom Würstelstand über die Betriebskantine bis zum Feinschmeckerrestaurant.

Allergen-Information kann mündlich ...

Künftig muss den Gästen vonseiten des Betriebes die Information über bestimmte in den Gerichten enthaltene Allergene (siehe Seite 3) angeboten werden. Ob ein Wirt seine Kundschaft schriftlich oder mündlich informiert, bleibt ihm überlassen. Entschließt sich ein Gastwirt für die mündliche Information, so muss immer ein eigens geschulter Mitarbeiter im Lokal anwesend sein. Auf diese Auskunftsperson ist entweder auf der Speisekarte oder mit deutlich sichtbarem Aushang hinzuweisen (z.B.: "Wenn Sie Fragen zu Allergien oder Lebensmittelunverträglichkeiten haben: Unsere Küche gibt Ihnen gerne Auskunft.").

... oder schriftlich erfolgen

Informiert ein Betrieb seine Gäste schriftlich, müssen die problematischen Stoffe für jedes Gericht einzeln zuordenbar sein. Ein Generalsatz wie "Wir kochen mit Weizenmehl, Milchprodukten, Sellerie und Nüssen" ist nicht zulässig. Ebenfalls unzulässig ist, auf der Karte nur jene Gerichte hervorzuheben, die bestimmte Zutaten nicht enthalten. Zulässig ist dagegen die Verwendung von Symbolen oder Abkürzungen in Speisekarten, sofern die Erklärung dazu auf derselben Seite erfolgt – etwa "F" für Fische.

Nur wenn die Zutat, in diesem Fall Fisch, in der Bezeichnung des Gerichts klar erkennbar ist, etwa bei "Karpfen, gebacken" oder "Räucherlachs", erübrigt sich der entsprechende Hinweis. Ist jedoch davon auszugehen, dass der Fisch weniger bekannt ist (z.B. Knurrhahn), so muss eine entsprechende Klarstellung vorgenommen werden.

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Kommentare

  • Sinn und Unsinn der Kennzeichnungspflicht
    von idefix11 am 12.05.2015 um 11:32
    Die ganze Geschichte hat zwei Seiten. In der Regel hatte ich relativ wenige Probleme wegen meiner Kaseinallergie (keine Butter, Margarine, Käse, etc) Es hat fast immer gereicht im Restaurant auf diesen Umstand hinzuweisen und in den meisten Fällen wurde von der Küche penibel darauf geachtet. Aber nicht immer. Dies liegt offensichtlich an der Einstellung des jeweiligen Betreibers. Die unglaublichste Geschichte erlebte ich am Neusiedlersee. Den Inhaber darauf angesprochen folgende unfassbare Antwort im original Ton: "Wegen an gsch...enen Allergiker werd i net mei ganze Kuchl auf´n Kopf stellen!" Das zeigt eine so dramatische Ignoranz dass es gefährlich sein kann dort zu essen. Mein Fazit also: Wegen solcher Menschen macht die Kennzeichnungs und Aufklärungsverpflichtung Sinn. (Die Buchstaben die oben durch Punkterl ersetzt wurden erinnern an International Space Station, somit ISS)
  • Die Schildbürger waren weit weniger schlimm!
    von sidestep am 07.07.2014 um 15:47
    Ihrem Kommentar schließe ich mich vollinhaltlich an - eine Wahnsinnsflut an völlig verblödeten, unsinnigen Regeln, an denen sich die sog. "Experten" (mah, ich kann diesen Ausdruck nicht mehr hören, es genügen Leute mit gesundem Hausverstand!!!) dumm und dämlich verdienen, die unsäglichen Mehraufwand und zusätzliche Ausgaben für kleinere Lokale bedeuten wahrscheinlich wird das an die Kunden weitergegeben aber man will ja kleine Betriebe (wie in der Landwirtschaft auch) vernichten und dem Konsumenten künftig nur mehr Industriefutter von Agrokonzernen bieten. Was mich brennend interessieren würde: Sind davon auch ausländische Lokale (Kebab, Nudelimbisse, etc.) und Fast Food-Ketten betroffen, die steuerlich tricksen können? Die EU soll sich lieber um das geplante brandgefährliche und (wieso wohl?)ausschließlich im Geheimen verhandelte TTIP-Abkommen mit den USA kümmern/es schleinigst ablehnen. Aber in jedem Fall: Raus aus dem Zwangsverein EU, das ist die einzige Lösung!
  • Wieder so ein absoluter EU-Unsinn!
    von NETclub50plus am 07.07.2014 um 14:58
    Denn Allergiker wissen in der Regel sehr genau, was sie vertragen und was nicht bzw., in welchen Speisen üblicherweise für sie unverträgliche Bestandteile enthalten sind. Für wie blöd halten uns EU und österr. Regierung eigentlich? Muss man wirklich in der Karte darauf hinweisen, dass beim Panieren eines Schnitzels Mehl verwendet wird, dass der Krabbencocktail Krabben enthält, die Senfsoße zum Steak Senf etc.? Ich hoffe wirklich sehr, dass ich da etwas missverstanden habe. Denn wie viel Bürokratie- und Verordnungskram will man den (kleinen) Wirten noch aufbürden? Die ersticken ohnehin schon im Schreiben von Berichten, Führen von Kontrollaufzeichnungen, Ausfüllen von Statistikformularen ... Und dann vielleicht auch noch eine Spezialkraft zu Allergiefragen, die im Lokal anwesende sein muss? Jedem Gast seine Ernährungsberaterin! Reden wir eigentlich noch von einem Gasthaus oder eher schon von einem Reha-Zentrum? Nun gut, man kann das ja alles auch in der Karte angeben. Meine Partnerin hat in ihrem kleinen Lokal die Speisenkarte in 13 Sprachen aufliegen. Jede enthält rund 100 Speisenangebote. Hat jemand auch nur einen schwachen Dunst davon, welchen Aufwand die regelmäßige Aktualisierung eines solchen Konvoluts gemäß Allergierichtlinie für einen Zwei-Frauen-Betrieb bedeutet? Die EU-Bonzen und unserer Politiker sicher nicht. Das hat nichts mehr mit wünschenswertem Konsumentenschutz zu tun. Das ist Überregulierung und Schikane. Und natürlich sichere Einkommensquelle für Hunderte von „Experten“, die in zahllosen (wohl gut bezahlten) Sitzungen solchen Unsinn grenzüberschreitend „ausarbeiten“.
Bild: Das KONSUMENT-Geschenk-Abo