Stevia: süßer Etikettenschwindel

Raffiniert wie Zucker

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KONSUMENT 9/2012 veröffentlicht: 30.08.2012, aktualisiert: 25.10.2012

Inhalt

Stevia gegen Zucker: Wie natürlich ist der neue Süßstoff tatsächlich, wer braucht ihn und vor allem – wie schmeckt er? Wir haben Stevia-Produkte verkostet und auch gleich ­nachgeschaut, ob in den Produkten tatsächlich drin ist, was außen draufsteht. - Die tabellarische Übersicht zu den einzelnen Stevia-Produkten gibt es nur hier in der Online-Ausgabe nicht aber im Heft.

Sie waren nicht zu übersehen, die riesigen Plakate in Knallfarben samt einprägsamem Text wie z.B. diesem: "Lust auf Eistee mit Stevia-Glycosiden E 960? Nicht alles, was süß ist, ist so natürlich wie Wiener Zucker". Das saß.

Zuckerindustrie schlägt zurück

Selbst der österreichische Werberat runzelte die Stirn und empfahl dem Absender der Botschaft bei der Gestaltung von zukünftigen Werbemaßnahmen eine sensiblere Vorgehensweise, "um Irreführung und Täuschung von Konsumenten zu vermeiden". Damit geht das Match "Zucker gegen Stevia" zielsicher in die nächste Runde.

Natürlichkeit als Verkaufsargument

In unserer Überflussgesellschaft sehnen sich immer mehr Menschen nach naturbelas­senen Lebensmitteln. Wenn man sie auch noch ohne Reue genießen kann, umso besser. ­Stevia erfüllt auf den ersten Blick beides: Die Süße stammt aus den Blättern der Steviapflanze und hat so gut wie keine Kalorien. Nicht von ungefähr wird es daher von vielen Menschen mit den Attributen "natürlich" und "leicht" assoziiert. Ein Eindruck, den ­Industrie und Handel, wann immer es geht, kräftig unterstützen.

Aufwendig, wie die Verarbeitung von Zuckkerrüben

Schaut man genauer hin, relativiert sich das Werbeargument "natürlicher Zuckerersatz". Als Süßungsmittel zugelassen sind nämlich nur die Steviolglykoside, die in einem aufwendigen Prozess aus der buschigen, grünen Steviapflanze herausgelöst werden.

Nur industriell gewonnene Steviolglykoside zugelassen

Und so sieht dieser industrielle Vorgang im Detail aus: Versetzen der getrockneten Stevia­blätter mit Wasser oder Alkohol, Ausfällen der herausgelösten Stoffe mit Salzen, Ent­färben mit speziellen Harzen. Darauf folgen Entsalzung und Kristallisation aus alkoholischer Lösung, bis der eigentliche Süßstoff, die Steviolglykoside, in einem Reinheits- grad von mindestens 95 Prozent vorliegt (bezogen auf die Trockensubstanz des End­produkts).

Das bedeutet, dass das Steviablatt vom Süßstoff ungefähr genauso weit weg ist wie die Zuckerrübe vom Haushaltszucker. Ja, auch beim herkömmlichen Zucker kommen Natur und Natürlichkeit nur in der ­Werbung vor.

Stabilisatoren, Konservierungs- und  Trennmittel

Bei Stevia in Pulver- oder Tablettenform finden sich häufig auch noch Konservierungsmittel wie Kaliumsorbat oder Sorbinsäure, Stabilisatoren wie Alkohol oder Trennmittel in Form von Siliciumdioxid.

In der Tabelle finden Sie:

Marke, Type, Produkte, Dienstleistungen
Espara Stevia flüssig, Eubiotica Stevia Flüssigextrakt, Eubiotica Stevia Tabs, Gesund & Leben Steevia Steviosid-Extrakt, Gesund & Leben Steevia-Tab's, Kandisin Stevia, Natreen Stevia (Pulverform), Natreen Stevia (Tabs), Natura Stevia plus, Natusweet Stevia Kristalle 1:1 Süße, Natusweet Stevia Tabs, Raab Premium Stevia, Sukrin + Süßungsmittel, Vollkraft Steviapulver, Danone DanVia Joghurt Erdbeere, Danone DanVia Molke, nöm fasten Fruchtjoghurt Mango, nömfasten Molkedrink rote Früchte, 2 B [to be] 2 B [to be] relaxed, Billa Aqua Stevia Birne Melisse, fritz kola fritz-kola mit Steviol-Glykosiden aus Stevia, Mautner Markhof Puria Sirup Multivitamin, Nestea Green Tea Citrus, Race Race plus Stevia, Radlberger Stevita Schwarztee-Sauerkirschgeschmack, Rauch Nativa Green Tea Lemon, Winny Vitacan Winny Vitacan Himbeer-Zitrone, Eubiotica Stevia Blätter Feinschnitt, Sonnentor Wundersüss, Sonnentor Wundersüss, Cavalier Belgische Schokolade Milch, Cavalier Cavalier Stevia Schokoriegel Hazelnuts Milk, Felix Tomaten Ketchup mit der Süße aus Stevia, Hofer Cherry-Drops, Pullmoll Halsbonbons Kirsch, Spar Vital Stevia-Eis Vanille

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Bewertung

Wertung: 3 von 5 Sternen
37 Stimmen

Kommentare

  • Stevia
    von qilin am 12.09.2012 um 16:52
    Also besonders objektiv scheint mir der Artikel ebenfalls nicht - besonders wenn er von anderen Zeitschriften übernommen, und dort dann auch gern noch aufgebauscht, wird - ich habe den Tipp aus dem Tiroler Bezirksblatt . Wenn ich /zwischen den Zeilen/ lese, scheint das Ergebnis zu sein: Stevia ist tatsächlich nicht natürlich - /ebensowenig/ wie Zucker schließlich sind auch Zuckerrüben nicht als Süßungsmittel zugelassen, und die Saccharoseextraktion ist vergleichbar aufwendig wie die von Steviolglycosiden - nur klingt das eben chemischer als Zucker . /Künstlich/ - also im Labor hergestellt, wie Saccharin, Aspartam oder Cyclamat, ist es aber /nicht/. Die Steviapflanze wird allerdings - im Gegensatz zur Zuckerrübe, die erst im 18. Jh. aus der Runkelrübe herausgezüchtet wurde - schon seit Jahrhunderten zum Süßen verwendet. Dass irgendwelche Hersteller als Süßungsmittel nur Stevia angeben und andere verschweigen, ist natürlich bedenklich - aber das kann man doch nicht Stevia anlasten wenn jemand schreibt "mit Zucker gesüßt", obwohl auch Saccharin drin ist, ist das ja auch kein Nachteil von Zucker .
  • Stevia
    von REDAKTION am 04.09.2012 um 14:01
    Wir haben uns aus Platzgründen in diesem Artikel hauptsächlich mit Stevia beschäftigt und sowohl die Vorteile, aber auch die Nachteile dieses neuen Süßungsmittels dargestellt. Überrascht hat uns, dass dort, wo Stevia draufsteht, sehr oft auch andere Stoffe für Süße sorgen. Im nächsten Heft (Konsument 10/2012), das bereits in Druck ist erscheint ein Bericht über Zucker in Lebensmitteln - mit ebenfalls erstaunlichen Ergebnissen. Ihr Konsument-Redaktionsteam
  • Artikel Stevia
    von portellen am 04.09.2012 um 08:04
    Bin etwas über diese offensichtliche Zuckerwerbung auf Kosten von Stevia entsetzt. Allein die Argumente, warum die Pflanze selbst nicht zugelassen ist (etwaige Auswirkung einer anderen Züchtung!?!, Lebensstil ferner Länder) sind äußerst schräg. Auch die Zuckerwerbung (wichtige Masse für Backwaren?!), welcher ja auf ähnlich "unnatürliche" Weise aus dem Rohstoff gewonnen wird, find ich schlimm. Lob kann ich nur für die genauen Inhaltsstoffe der mit Stevia gesüssten Waren geben. Und noch etwas - im Gegensatz zu den synthetisch hergestellten Süßstoffen stammt Stevia (und natürlich auch Zucker) aus natürlicher Quelle. Das weißes Pulver (wieder Zucker oder Stevia) nicht in Rüben oder Blättern vorkommt, ist ja klar!
  • Artikel Stevia
    von markusaichholzer am 03.09.2012 um 16:58
    Ich habe noch nie bei Konsument einen derart einseitigen Artikel lesen müssen. Die Nachteile von Stevia zu beschreiben ohne zu erwähnen, dass Zucker die gleichen NAchteile hat, finde ich nich in Ordnung. Beispiele: - Die Tageshöchsmenge an Stevia wurde beschrieben. Nicht erwähnt wurde, dass auch Zucker nicht unbegrenzt eingenommen werden sollte. - es wurde nicht erläutert, dass in Produkten enthaltene Fruktose wohl auch von den enthaltenen Früchten kommen könnte - Es wurde nicht erwähnt, wieviel Zucker in ähnlichen Produkten ohne Stevia (z.B. Joghurts, Molkegetränke, Ketchup...) enthalten ist. - Als Kritikpunkt anzuführen, dass Schokolade mit Stevia nicht so gut ist, finde ich komisch. Fazit: Sehr einseitig und schmeckt nach "Auftragsarbeit" schöne Grüße MArkus Aichholzer
Bild: Das KONSUMENT-Geschenk-Abo