Thunfisch in Gefahr

Fischbestände dramatisch reduziert

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Konsument 11/2010 veröffentlicht: 13.10.2010

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Thunfisch ist einer der beliebtesten Fische weltweit. Der große Appetit auf Sushi oder Thunfisch in Dosen (siehe unseren Thunfischtest 11/2010) hat die Fischbestände dramatisch reduziert. Kann man den einstigen König der Ozeane heute noch mit gutem Gewissen essen?

Fisch ist schmackhaft und gesund. Der Fischkonsum hat sich binnen weniger Jahrzehnte nahezu verdoppelt. Ein durchschnittlicher EU-Bürger verspeist jährlich 23 Kilo, in manchen Ländern ist der Appetit auf Fisch noch wesentlich größer – Spitzenreiter Portugal kommt auf fast 57 Kilo pro Kopf und Jahr.

Die Fischerei ist die letzte Form der Nahrungsmittelproduktion in großem Stil, die fast vollständig auf wildlebende Tiere angewiesen bleibt. Entsprechend groß sind die Auswirkungen auf das globale Ökosystem; aber auch auf Millionen von Menschen, ­deren Existenz vom Fisch abhängt.

Bedrohlicher Entwicklungsverlauf

Die Entwicklung nimmt einen bedroh­lichen Verlauf: Die Fischbestände werden immer kleiner, mindestens 80 Prozent gelten als überfischt oder gar komplett aus­geschöpft. Der Aufwand an Energie und Ressourcen, die zum Fischfang benötigt werden, ist heute 17-mal höher als Ende des 19. Jahrhunderts.

Eine der meistgefährdeten Fischarten ist der Thunfisch. Die Jahresproduktion hat sich in den letzten 50 Jahren auf rund 5 Millionen Tonnen verzehnfacht (siehe auch unseren Test "Thunfisch - Um Dosen besser"). Am belieb­testen ist der Fisch in Dosen oder roh als Sushi und Sashimi. Die wichtigsten Märkte sind die USA, Europa und Japan.

Fischerei auf industrieller Basis

Das Bild vom einsamen Fischer, der mit ­seinem kleinen Boot übers Meer tuckert, gehört der Vergangenheit an. Heute wird die Fischerei auf industrieller Basis betrieben, ganze Fangflotten sind unterwegs. Schnellboote und Hubschrauber halten nach Fischschwärmen Ausschau, sogenannte Ringwadennetze – mit 2 km Umfang und bis zu 200 m tief – werden ring­förmig um einen Schwarm ausgelegt und dann zugezogen. Bereits auf hoher See wird der Fisch weiterverarbeitet und konserviert oder tiefgekühlt.

Durch die Ringwadenfischerei werden ganze Fischschwärme mit einem Schlag abgefischt, auch Jungfische vor der Geschlechtsreife werden mitgefangen. Das kann für die ohnehin bedrohten Thunfischarten fatale Folgen haben.

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Kommentare

  • Thunfisch-Ethik Report
    von Franz Wank am 15.11.2010 um 16:06
    Es ist furchtbar mit anzusehen, wie mit den Schleppnetzen tonnenweise sogenannter "Beifang" aus den Meeren gezogen und dann wieder im Meer entsorgt wird. Wann werden die geldgierigen Fischfangflottenbesitzer endlich merken, dass sie das gesamte Ökosystem durcheinander bringen. Erst wenn es zu spät ist? Sie sägen, wie so viele, auf dem Ast, auf dem die Menschheit sitzt! Dann werden sie merken, dass man Geld nicht essen kann!
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