Thunfisch und Wein: VKI keine moralische Anstalt

Editorial von VKI-Geschäftsführer Franz Floss

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Konsument 11/2010 veröffentlicht: 18.10.2010

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Gelegentlich müssen wir für unsere Arbeit harsche Kritik einstecken. - Ein Editorial von VKI-Geschäftsführer Franz Floss.

Franz Floss (Bild: Wilke)
 Geschäftsführer
Franz Floss

Leser rügten uns wegen unseres Tests Grüner Veltliner (Konsument 7/2010). "Wir haben in Österreich 700.000 alkoholgefährdete Menschen und der VKI hat nichts Besseres zu tun, als die besten Tropfen zu küren", schrieb uns ein verärgerter Abonnent, von Beruf Arzt, vor wenigen Monaten.

"Thunfisch stirbt aus und wir testen?"

Schon im Planungsstadium schlug dagegen unser aktueller Thunfischtest hohe Wellen. Diesmal war innerhalb der Belegschaft Sturmstärke 10 angesagt: "Der Thunfisch stirbt aus und wir führen eine Bewertung von Dosenthunfisch durch", waren viele Kollegen fassungslos.

Diese Einwände haben viel für sich: Alkohol ist problematisch, das steht außer Streit, und einige Arten von Thunfisch sind stark gefährdet. Warum testen wir solche Produkte trotzdem? Nun, wir sind keine moralische Anstalt, auch wenn der erhobene Zeigefinger manchmal recht praktisch wäre. Wir sagen, gestützt auf objektive Ergebnisse, was Sache ist – aber wir schreiben niemandem vor, was er kaufen soll. Als Verein für Konsumenteninformation (VKI) liefern wir kritischen Verbrauchern die nötigen Grundlagen, um eine Wahl treffen zu können. Die Entscheidung für oder gegen ein Produkt liegt aber bei jedem Einzelnen.

Ob es einem gefällt oder nicht: Thunfisch ist am Markt. Es würde mit Sicherheit keine Dose weniger verkauft, wenn wir uns darüber ausschwiegen. Sehr wohl aber besteht die Hoffnung, dass Käufer in Zukunft genauer schauen, was auf den einzelnen Fischdosen steht (siehe Ethik-Report Thunfisch), dass Kunden sich dafür interessieren, woher ihr Fisch kommt. Und dass Hersteller, die meinen, sich um klare Antworten herumdrücken zu können, auf  ihrer undeklarierten Ware sitzen bleiben.

Was denken Sie?

Was denken Sie: Sollen wir Produkte wie Thunfisch oder die umstrittenen SUV testen? Sagen Sie uns Ihre Meinung! Per E-Mail an leserbriefe@konsument.at oder an Redaktion Konsument, Verein für Konsumenteninformation (VKI), Linke Wienzeile 18, 1060 Wien.

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Kommentare

  • Moral - ich finde besser Neutral
    von offen1 am 07.11.2010 um 09:12
    In den Tests werden auch die Daten berücksichtigt die für die Umwelt oder Gesundheit wichtig sind. So manches wird einem dabei bewußt gemacht. Kein Mensch fährt andere Autos, ist Gewisses nicht mehr, oder trinkt keinen Alkohol nur weil es darüber keinen Test gibt.
  • Moralische Anstalt
    von tremmelk am 01.11.2010 um 09:52
    Nein, nein, und nochmals nein. Der VKI ist KEINE moralische Anstalt sondern eine Konsumenteninformation. Das einzige Kriterium ist meines Erachtens, daß der getestete Gegenstand für einen Großteil der Konsumenten relevant ist. Was sicherlich beim Test von SUV s nicht der Fall sein wird.
  • Thunfisch oder SUV
    von gerhard56 am 25.10.2010 um 06:38
    Nicht nur Thunfisch ist in der Gefahr, ausgerottet zu werden, wenn weiter wie bisher gefischt wird. Andererseits soll auch regelmäßig Fisch gegessen werden und da möchte ich doch wissen, welche Firmen möglichst umweltschonend Fische fangen. Daher finde ich diese Tests sehr informativ und wichtig. SUV s dagegen sind ein Spielzeug für Leute, welche nicht wissen, wohin mit dem Geld, für die auch der Spritverbrauch keine Rolle spielt und daher für einen normalen Konsumenten völlig uninteressant. Tests von Klein- und Mittelklasse-PKW s sind da schon wichtiger, insbesondere was die Qualität (weil meist im unteren Preissegment angesiedelt) und den Treibstoffverbrauch anbelangt.
  • Wer soll denn eine moralische Anstalt sein, wenn nicht der VKI?
    von hwy2001 am 21.10.2010 um 22:53
    Wollen sie lieber eine unmoralsiche Anstalt sein? Ich bin sicher nicht für moralischen Rigorismus, aber notwendig sind die beiden Tests SICHER NICHT.
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