Wein aus Südafrika

Bitter im Abgang

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Konsument 5/2009 veröffentlicht: 24.04.2009, aktualisiert: 06.05.2009

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Auf den Weingütern von Western Cape ist die alte Ordnung bis heute aufrecht. Weiße Gutsherren ­halten die schwarzen Arbeiterinnen und Arbeiter wie Sklaven, die Rechte des neuen Südafrika werden ihnen verwehrt.

Weine aus Übersee erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Sie wurden an den ­europäischen Geschmack angepasst und sind zum Großteil von guter Qualität – und das zu Preisen, zu denen man inländischen Wein oft nur im Tetrapak erhalten kann: 2,99 Euro für eine Bouteille sind keine ­Seltenheit.

Arbeit kein Honiglecken

Die Arbeit (zumindest gilt dies für Saisonarbeiter) ist auch hierzulande alles andere als ein Honiglecken, in den Übersee-Gebieten herrschen jedoch wohl noch viel ­ärgere Zustände. Besonders schlimm ist die Situation in Südafrika, wo schwarze ­Arbeitskräfte in einer modernen Form der Sklaverei gehalten werden. Ein Reporter­team der dänischen Verbraucherorganisation Forbrugerradet hat sich kürzlich vor Ort ein Bild über die Lebensumstände der dort arbeitenden Menschen gemacht.

Achtgrößter Weinproduzent

Western Cape oder Westkap heißt die ­Region rund um Kapstadt, wo der Großteil des südafrikanischen Weines angebaut wird. Seit dem Ende der Apartheid wurde die Weinproduktion stark forciert, Süd­afrika ist heute der achtgrößte Weinher­steller. Die Exporte stiegen seit 1992 von 11 Millionen Liter auf über 300 Millionen Liter im Jahr 2007. Der Wein wird hauptsächlich in Containern exportiert und erst im Bestimmungsland in Flaschen abgefüllt. Entsprechend groß ist der Preisdruck für diese Weine.

Tourismus im Weinberg

Das Anbaugebiet ist landschaftlich sehr reizvoll und wird daher auch für touris­tische Zwecke stark genutzt. In Reise­katalogen werden luxuriöse Unterkünfte auf Weingütern angeboten, mit Pool, Golfplatz und exquisiten Restaurants.

85 Euro Monatslohn

Nutznießer des wirtschaftlichen Aufschwungs ist die weiße Bevölkerung, während sich für die Masse der Schwarzen ­wenig geändert hat. Die Landarbeiter besitzen ­selber keinen Grund, sie leben in Elends­behausungen, müssen schon in jungen Jahren hart arbeiten, für eine halbwegs reguläre Schulausbildung bleibt wenig Zeit. Der ­Mindestlohn beträgt 1.090 Rand im Monat, umgerechnet rund 85 Euro. Das ist zu wenig, um sich mit Grundnahrungsmitteln zu versorgen. Nach Einschätzung von Landarbeiterorganisationen wären 200 Euro nötig, um die monatlichen Ausgaben zu decken. Doch viele Weingüter zahlen ihren Arbeitern noch weniger als die gesetzlichen 85 Euro, in ­Extremfällen nicht einmal 10 Euro.

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Bild: VKI