Altenpflege daheim (Teil 1)

In der Grauzone

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Konsument 4/2007 veröffentlicht: 22.03.2007

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In Österreich mangelt es an Einrichtungen, die Familienangehörige bei der Pflege entlasten könnten und die auch leistbar sind.

Wahrscheinlich wird meine Mutter nie mehr als einige Wörter sagen und nicht mehr gehen können, meinte der Arzt nach dem Schlaganfall. Aber es kam noch schlimmer: Tatsächlich sagte sie nur noch ein Wort: ‚Nein.’ Sie war bettlägrig und konnte ein einziges Wort schreiben: ‚Ende’ – wie im Abspann eines Films. Sogar das Nicken oder Kopfschütteln hatte sie verlernt. Sie verstand nicht, was wir ihr sagen wollten, und wir nicht, was sie ausdrücken wollte.“ So schildert Regina K. ihre schwierige Situation.

Pflegerinnen aus Kroatien

„Mutter brauchte jetzt einen streng geregelten Tag; alle Verrichtungen – Waschen, Ankleiden, Essen, Mittagsruhe, Toilettenbesuch etc. – mussten zur immer gleichen Zeit am selben Ort ablaufen. Mit Heimhilfen und Besuchsdiensten war das nicht zu machen – sie hat die wechselnden Gesichter und Zeiten nicht ausgehalten. Im Tagesheim, umgeben von vielen fremden Gesichtern, erlitt sie den ersten epileptischen Anfall. Ich bekam Panik: Wie sollte es weitergehen? Durch Mundpropaganda fanden wir zwei Pflegerinnen aus Kroatien, die abwechselnd alle vier Wochen ins Haus kommen, hier kochen, wirtschaften und wohnen."

Betreuung klappt gut

"Jede der beiden Pflegerinnen hat zwei Kinder, ihre Männer sind arbeitslos. Mit dem, was sie bei uns verdienen, erhalten sie ihre ganze Familie. Seit drei Jahren klappt diese Betreuung gut. Mutter hat sich an die beiden Frauen gewöhnt, legt Puzzles und schaut mit ihnen gerne Telenovelas an.“

Problem privatisiert

Jahrelang haben Experten vor steigendem Pflegebedarf gewarnt, mehrere österreichische Studien sich mit dem Pflegenotstand befasst. Hochbetagte, Pflegebedürftige und Familien sind in Not. „Das Problem wurde jahrelang vernachlässigt“, kritisiert Prof. Elisabeth Seidl, Leiterin des Instituts für Pflegewissenschaft in Wien, „Österreich ist mit ambulanten Strukturen besonders schwach ausgestattet.“ So plagen sich die Familien: Rund 90 Prozent der Pflegebedürftigen werden von Angehörigen oder Bekannten versorgt. Viele haben stundenweise Unterstützung durch mobile Dienste; aber soziale Servicedienste für die Nachtstunden und am Wochenende fehlen weitgehend. 

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