Friedhof

Grabstein als Risiko

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KONSUMENT 12/2013 veröffentlicht: 21.11.2013

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Auch für die ewige Ruhe gibt es Vorschriften: Wenn der Grabstein zu wackeln beginnt, muss der Grabbesitzer das umgehend in Ordnung bringen. Er haftet für etwaige Schäden.

Der Friedhof ist ein Ort der Einkehr und ­Trauer. Aber auch ein Ort mit bestimmten Regeln. Daran wird erinnert, wer z.B. den Wiener Zentralfriedhof betritt. Gleich am Eingang steht eine Informationstafel. Darauf zu sehen ist ein Foto mit einem umgestürzten Grabstein. Darunter steht: „Als GrabbesitzerIn sind Sie für die Standsicherheit Ihrer Grab­anlage haftbar.“

Benützungsrecht auf bestimmte Zeit

Der Grabbesitzer hat nicht nur Rechte, er hat auch Pflichten. Wobei die korrekte Bezeichnung statt Grabbesitzer eigentlich Grab­benützungsberechtigter ist. Ein wahres ­Wortungetüm, doch es verweist auf einen wesentlichen Punkt: Man kann auf einem Friedhof eine Grabstelle nicht erwerben, sondern nur das Benützungsrecht, und auch das nur auf bestimmte Zeit.

Miete statt Eigentum

Zu vergleichen ist dieses Vertragsverhältnis mit der Miete einer Wohnung. Jeder Wohnungsmieter weiß, dass er um Mitternacht nicht mehr anfangen kann, mit dem Schlagbohrer Löcher in die Wand zu bohren. Die Hausordnung erlaubt solche Arbeiten, die großen Lärm machen, nur zu bestimmten Zeiten. Auf dem Friedhof ist es die Bestattungsanlagenordnung, die einzuhalten ist. Jene der Friedhöfe Wien GmbH schreibt ­beispielsweise vor, dass auf den Gräbern kein Kunstrasen verlegt werden darf. Denn die Anlagen sollen, so der erklärte Wille ihres Betreibers, als „grüne Lunge“ der Stadt erhalten bleiben.

Unterschiedliche Traditionen bei der Bestattung

Wer bereits durch Frankreich gereist ist, weiß, dass dort die Friedhöfe wahre Steinlandschaften sind. Jedes Land hat seine eigene Sterbe- und Bestattungskultur. Selbst in Österreich können einzelne Traditionen und Bestimmungen von Bundesland zu Bundesland von­einander abweichen – das Bestattungs­wesen obliegt nicht dem Bund, sondern den Ländern. Dazu kommt, dass jeder Friedhofs­betreiber seine eigene (privatrechtliche) Hausordnung erlassen kann.

Was erlaubt ist

Der Friedhof als "grüne Lunge“: Dies ist allerdings noch lange kein Freibrief, Blumen, Sträucher und Bäume ganz nach Belieben anzupflanzen. Mag der Verstorbene auch Birken über alles geliebt haben, auf der Grabstelle ist dieser Baum tabu, jedenfalls auf den Wiener Friedhöfen. Erlaubt sind da nur maximal 70 cm hoch wachsende Laub- und Nadelgehölze. Der Grund für diese Einschränkung ist einfach: Die Wurzeln größerer Bäume sind mächtig genug, um umliegende Gräber zu beschädigen. Und das soll schließlich nicht geschehen.


Lesen Sie mehr zum Thema: Kurztest: Grabkerzen,  Feuerbestattung im Krematorium, Friedhofsgebühren, Grabsteine aus Indien, Sterbegeldversicherung, Bestattungskosten: Nepp am Grab sowie unser KONSUMENT-Buch: Was tun, wenn jemand stirbt?

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Kommentare

  • Begräbnis-Alternativen
    von REDAKTION am 21.11.2013 um 16:57
    Wir haben vor einiger Zeit über Alternativen zu einer herkömmlichen Beerdigung berichtet: In KONSUMENT 1/2008 z.B. über Berg-, See- und Baumbestattung, in KONSUMENT 2/2008 über die Aufbewahrung der Urne daheim und in KONSUMENT 2/2009 bzw. 11/2012 (=kurz & knapp) über die Möglchkeit der Körperspende. Ihre KONSUMENT-Redaktion
  • alternatives Begräbnis
    von conz am 21.11.2013 um 14:28
    interessant wäre einmal ein Artikel mit der Rechtslage von Alternativen wie Waldbestattung, Urne zu Hause, etc. .
Bild: VKI