Geschäfte mit Hochbetagten: Leichte Opfer

Kommentar von KONSUMENT-Redakteurin V. Kaiser

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KONSUMENT 7/2013 veröffentlicht: 27.06.2013

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Siebzigjährige laufen Marathons, studieren an Universitäten, nutzen ihr Smartphone und sind viel agiler, als es alte Menschen noch vor fünfzig Jahren waren.

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Veronika Kaiser

Das ist die erfreuliche Seite. Doch es gibt auch eine andere: Viele Hochbetagte bemühen sich, ihren eigenen Haushalt zu führen. Sie wollen Kindern oder Enkeln nicht zur Last fallen und schon gar nicht ins Pensionistenwohnheim ziehen. Doch die alten Menschen werden leider leicht zum Opfer.

Werbezielgruppe: Senioren

Zum einen von Kriminellen – man denke an den bekannten Neffentrick. Zum anderen von Geschäftemachern aller Art: Angeboten werden Zeitschriften, Luftbildaufnahmen vom Eigenheim, Werbefahrten … Viele Wirtschaftstreibende haben Pensionisten als Zielgruppe entdeckt. Nun ist Werbung nichts Unehrenhaftes. Auch Pensionisten haben Geld und können sich heute mehr leisten als ein Achtel Rot zum Mittagessen. Aber bei manchen Unternehmen hat man den Eindruck, sie kontaktieren gezielt alte Menschen, um sie zum Abschluss eines Vertrages zu bewegen.

Gutgläubige Senioren fallen häufig auf Werbetricks herein

Die Senioren sind über Anrufe oder Hausbesuche oft glücklich: Endlich jemand zum Reden! Doch leider ist manch Hochbetagtem, mancher Greisin nicht klar, dass die nette junge Frau, der freundliche junge Mann nicht zum Plaudern anruft oder herkommt. Und sie unterschreiben, was ihnen unter die Nase gehalten wird. Die Kinder (oder Betreuungspersonen) fallen dann oft aus allen Wolken: „Mama, was ist dir denn da eingefallen!“

Rücktritt rechtlich oft nicht möglich

Rechtlich gibt es oft kein Zurück. Die Frist für den Rücktritt ist verstrichen und die Firma hat im Vertrag über das Rücktrittsrecht informiert. Dass das dort mit winziger Schrift in schönstem Juristendeutsch steht, ist unerheblich. Vertrag ist Vertrag. Und dass dem alten Menschen nicht bewusst war, dass er eine Bestellung über einige Hundert Euro unterzeichnet hat, ist nachträglich nicht zu beweisen. Den einzigen Ausweg aus diesem Problem böte eine Sachwalterschaft. Aber wer will das seiner Mutter oder seinem Vater schon antun?


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