Jeans: von Menschen für Menschen

Abgewetzt und ausgebleicht

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KONSUMENT 7/2011 veröffentlicht: 22.06.2011

Inhalt

Mit keinem anderen Kleidungsstück hat es die Mode im Lauf der Jahrzehnte so arg getrieben wie mit den Jeans. - "Kunde König", ein satirischer Kommentar von Alois Grasböck.

KONSUMENT-Kolumnist Alois Grasbock (Bild: VKI) 
Alois Grasböck

Einmal müssen sie ausgebleicht sein, dann wieder an den richtigen Stellen abgewetzt oder kunstvoll ausgefranst. Vermutlich ist das der Grund, dass Boutiquen gelegentlich "Fetzentandler“ genannt werden. Nur der modische Zwang zu Brandlöchern war noch nicht da, vermutlich, weil das die Kundschaft selbst erledigen könnte und damit kein Geld zu machen wäre.

Selber tragen macht schön

Theoretisch kann auch jeder seine Jeans alt aussehen lassen, indem er sie trägt. Aber das dauert, und wenn das Design endlich passt, hat sich womöglich die Mode schon wieder geändert.

Wie seltsam das ist, wird einem erst richtig klar, wenn man sich vorstellt, dass ein Kunde ins Geschäft kommt und sagt: "Ich hätte gern einen schwarzen Anzug, der an den Knien abgewetzt ist und alles in allem leicht abgetragen wirkt. Und dazu bitte ein Hemd mit ausgefransten Manschetten.“

Als Profiabwetzer für Nobelmarke arbeiten

Über die Herstellung von Jeans und Bekleidung insgesamt hört man viele unschöne Geschichten, das reicht von der Ausbeutung bis zur Kinderarbeit. Wäre die Welt so, wie sie sein sollte, dann müsste ein neuer Trend ins Leben gerufen werden. Ungefähr so: In einem Billiglohnland finden die Menschen endlich relativ angenehme Jobs, indem sie als Jeansabnutzer für eine Nobelmarke tätig sind. Sie tragen die Hosen, bis sie der nächsten Frühjahrsmode entsprechen. Slogan: "Von Menschen für Menschen."

Am Türstock reiben, in die Sonne legen

Profiabwetzer helfen natürlich nach, indem sie, je nach Design, gewisse Stellen am Türstock reiben oder sich für Bleich-Effekte in die Sonne legen. Die Arbeit ist leicht, und die Menschen erzählen sich dabei Witze über die verrückten Reichen im Westen. Und hoffen, dass eines Tages auch ausgelatschte Schuhe modern werden. So weit war die Träumerei gediehen, als der Rückschlag kam, und zwar in Form des empörten Schreies "Ich ziehe doch keine Jeans an, die schon ein anderer getragen hat!"

Schade.

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