Kunde König: Alkopops

Trink ma no a Flascherl

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Konsument 9/2004 veröffentlicht: 18.08.2004

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Ein satirischer Kommentar von Alois Grasböck.

Der Nachwuchstrinker Kevin N. (15) aus Grammatgrauslich saß mit Freunden bei einem verschärften Parkplatzsaufen vor der örtlichen Disco, als ihm im Anschluss an einen Rülpser der folgende Monolog entfuhr:

Trink ma no a Flascherl

Also ich versteh nicht, warum die Alten so einen Terror machen. Die mit ihrem: Trink ma no a Flascherl! Quatschen dauernd von Weinkultur und vom gepflegten Bier und von Edelbränden, da wird man ja schon beim Zuhören vollgedröhnt!

Schaut euch das an, Leute! Wenn bei einer Brauerei der Umsatz zurückgeht, weinen sie gleich die Zeitungen voll. Gerade dass sie nicht zum Kampftrinken zur Erhaltung der Arbeitsplätze aufrufen, da haben sie lieber geschwollene Lebern als eine magere Bilanz!

Anscheinend wimmelt das ganze Land von Starwinzern – ja, ist denn denen ihr Alk nur zum Anschauen da, muss man den nicht saufen? Aber bei uns Jungen kriegen sie die Krise wegen ein paar Flascherl Alkopops.

Früher keine Drogen?

Dauernd dieses nostalgische Gejammer: In der guten alten Zeit hat man als Jugendlicher keine Drogen gebraucht, wir haben uns mit Cola-Rum begnügt, und trotzdem wars eine Gaudi … als ob ein Limo-Wodka was anderes wäre! Da führen wir Jungtrinker die Szene von den Tabletten wieder zur bodenständigen Flasche zurück, und dann ist es auch wieder nicht recht.

Ich sag euch eins: Wenn die in der Wachau schlau genug gewesen wären, dass sie den Alkopops-Markt mit einem Mix aus Veltliner und Marillenlikör erobert hätten, wäre alles ganz anders. Da hieße es nicht mehr „gefährliches Saufen“, sondern „gepflegter Trinkgenuss zur Stärkung der heimischen Landwirtschaft“. Hat noch wer einen Breezer für mich?

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