Kunde König: Fußball

Mit Nebenwirkungen

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Konsument 6/2006 veröffentlicht: 22.05.2006

Inhalt

Kunde König: Ein satirischer Kommentar von Alois Grasböck zum Thema "Fußball".

Fußball mit Nebenwirkungen

Es gibt Ereignisse, die man nicht übersehen kann, selbst wenn man möchte. Weihnachten zum Beispiel. Oder die Fußball-WM, die schon die längste Zeit ihre Werbung vorauswirft, was jeden Gedanken, es gehe um etwas anderes als ums Geld, ziemlich schrullig erscheinen lässt.

Konsument-Satiriker Alois Grasböck über Fußball (Foto: Grasböck)

 Konsument-Satiriker
Alois Grasböck

Was schert mich Frau, was schert mich Kind ...

Die lustigste Nebenwirkung, die solche Veranstaltungen mit sich bringen, ist die angebliche Sorge um die so genannten Fußballwitwen. Dabei wird von der Vorstellung ausgegangen, dass die Frauen rasch von innerer Leere und bohrender Langeweile befallen werden, sobald ihre Männer „Tooor!“-schreiend vor dem Fernseher hocken und vorübergehend nicht an ihr Schatziputzi denken.

... wenn wir beim Elferschießen sind?

Logisch wäre es, sich noch mehr Sorgen um Fußballwaisen zu machen, doch davon hört man nichts. Vermutlich wird davon ausgegangen, dass die Fußballwitwen ohnehin reichlich Zeit haben, sich um die Kinder zu kümmern.
So rundet sich die Fußball-WM zu einem Klischee, in dem die brüchig gewordene Männerwelt noch in Ordnung zu sein scheint. Nach dem Motto: Was schert mich Weib, was schert mich Kind, wenn die gerade beim
Elferschießen sind? Soll sein, eine WM dauert nicht ewig.

Lieber Bier ...

Nichts gegen Männer, die mit einem Sechser-Tragerl Bier zu schicksalshaften TV-Abenden schreiten, doch kann eine Weltmeisterschaft auch eine andere Art von Mannesmut zum Vorschein bringen.
Der Satz „Fußball interessiert mich überhaupt nicht“ kann, je nach Umgebung, irritierte Blicke oder akuten Warmduscher-Verdacht auslösen.

...als Bücher

Und während des Endspiel-Fiebers bringt sich ein Mann mit der Bemerkung „Keine Zeit, ich will endlich die neuen Essays von Franz Schuh lesen“ relativ sicher in den Geruch eines Sonderlings.
Es sei denn, er sagt das im Kreise literarisch interessierter Fußballwitwen.

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Bild: Das KONSUMENT-Geschenk-Abo