Kunde König: Unmögliche Faschingskostüme

Der Sinn des Faschings

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Konsument 2/2004 veröffentlicht: 19.01.2004

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Jedes Jahr darf jeder sein was er gerne wäre. Ein satirischer Kommentar von Alois Grasböck.

Prärie und Lagerfeuer für Cowboys

Der Sinn des Faschings ist, dass jeder einmal so sein darf, wie er gern wäre. Oder anders gesagt: Wer tief in seinem Herzen an Prärie und Lagerfeuer denkt, zieht sich im Fasching ein Kostüm an und darf endlich Cowboy sein.

Oder: Wer davon träumt, elegant zu sein, leiht sich einen Frack und versucht, auf dem Opernball in die Nähe einer Kamera zu tanzen. Und beim Villacher Fasching setzten manche, die gern lustig wären, ein Grinsen auf.

Rationalisierer am Maskenball

Was aber soll der junge Mann tun, der sich nichts sehnlicher wünscht, als Rationalisierer zu sein? In ihm brennt das Verlangen, das Humankapital einer Firma abzuschlanken, er will Druck machen, bis der letzte Saft aus den Leuten rinnt, aber wie soll er das im Fasching ausleben? Im Geschäftsanzug auf den Maskenball gehen und jeden zweiten Gast kündigen? Geht nicht.

Aufgeschmissen sind auch Personen, deren Tagträume sich um eine Politikerkarriere drehen. Sicher, wer dick genug ist, kann sich als Ministerpension verkleiden, aber sonst? Der Faschingsgesellschaft eine Runde Wein versprechen und dann Wasser auf den Tisch stellen? Da droht Gefahr, dass die Gaudi aufhört, bevor sie angefangen hat.

Geld, viel Geld

Viele wären am liebsten Gewinner eines Lottosechsers, können das aber auch nicht zeigen, weil dann jeder Geld von ihnen will.

Das könnte einer der Gründe sein, warum der Fasching nicht immer ganz so lustig ist wie erhofft. Das erklärt Pappnasen auf griesgrämigen Gesichtern. Der Rationalisierer geht zur Not als Dompteur, der Möchtegern-Politiker als Clown mit unguten Hintergedanken und der Lottogewinner als Ölscheich, aber es ist nicht das Wahre.

Auch der Cowboy kann kein Lagerfeuer anzünden. Aber wenn er Glück hat, sind wenigstens ein paar Rindviecher da.

Ihr Alois Grasböck

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