Legasthenie

Buchstabensuppe und Zahlensalat

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Konsument 9/2005 veröffentlicht: 19.08.2005

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  • Jeder siebente Mensch ist legasthen
  • Legasthene Kinder brauchen individuelle Förderung

Eine Mutter erzählt

"Unser Bub war ein aufgewecktes Kind, immer neugierig und überall dran. Beim Sprechen sprudelten ihm die Gedanken nur so heraus, dass er darüber stolperte. Deshalb war ich konsterniert, als er in die Schule kam und sich mit dem Lesen so schwer tat und auch beim Schreiben viele Fehler machte. Ich wurde nervös und übte besonders ehrgeizig immer mehr mit ihm, doch mit geringem Erfolg. "Ohne erkenntlichen Grund hat unser Sohn manchmal sehr gute, dann wieder schlechte Leistungen erbracht", erzählt eine Mutter.

Hilfe durch Spezialisten

Er habe Buchstaben auf den Kopf gestellt, Ziffern verwechselt, Zeichen vertauscht, statt einem Doppellaut ein stummes „h“ geschrieben und beim Lesen halbe Wörter verloren. „Unser Sohn wurde unruhig und bockig, ich selbst immer nervöser. Schließlich teilte uns die Lehrerin mit, dass er Mitschüler bestohlen hätte. Da läuteten bei mir die Alarmglocken. Wir suchten eine Spezialistin auf, die das Kind testete, und es stellte sich heraus, dass es legasthen ist.

Schließlich sehr gute Matura

Sie hat uns erklärt, dass Lernen mit allen Sinnen angesagt sei: Daheim haben wir Orientierungstrainings gemacht, mit Holzbuchstaben hantiert, Wortspiele geprobt, Fehlerwörterlisten erstellt und abgearbeitet. Die speziellen Computerspiele haben ihm sogar Spaß gemacht. Einmal im Monat hat unser Sohn mit der Legasthenietrainerin geübt. Zum Glück haben wir die Lehrerin als Mitstreiterin gewonnen. Allmählich ging alles besser, über die Jahre entwickelte mein Sohn auch wieder Selbstvertrauen. Er musste keine Klasse wiederholen, und am Ende, bei der Matura, fehlte nur noch ein Einser zum Vorzug.“

Legasthenie ist vererbbar

Schon vor 150 Jahren wurde beobachtet, dass es Kinder gab, die das Lesen und Rechtschreiben nicht erlernten. Es sollte noch hundert Jahre dauern bis zum Nachweis, dass diese Schwierigkeiten nichts mit Intelligenzmangel zu tun haben: Bei Legasthenikern arbeitet das Gehirn – das kann heute durch bildgebende Verfahren gut gezeigt werden – anders als bei anderen Menschen. Sie sind nicht gestört oder behindert. Legasthenie ist genetisch bedingt und wird vererbt: In manchen Familien tritt sie gehäuft auf. Betroffene haben Schwierigkeiten damit, Symbole – Laute, Buchstaben, Ziffern, Maße, Noten – zu erfassen und zu speichern.

Probleme bei Rechnen bzw. Schreiben

Manche plagen sich, Mengen abzuschätzen, Farben auseinander zu halten. Sie vertauschen links und rechts, oben und unten, können Distanzen und Maße schlecht abschätzen, vermögen kaum aus Gehörtem das Wesentliche herauszufiltern oder Gedanken zusammenzufassen. Das kann sich als Problem beim Lesen und Schreiben (Dyslexie), beim Rechnen (Dyskalkulie) oder in einer Kombination von beidem zeigen.

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