Reisebüros

Urlaub um jeden Preis?

Seite 1 von 4

Nächsten Inhalt anzeigen
Konsument 8/1999 veröffentlicht: 01.08.1999

Inhalt

Wie informieren Reisebüros über das Terror-Risiko in der Türkei
und über das Korallensterben auf den Malediven?
Unsere Mitarbeiterin ließ sich beraten.

Was wissen Angestellte in Reisebüros über die Sicherheitslage in der Türkei zu sagen? Das sollte ich wenige Tage vor der Verkündung des Todesurteils gegen Kurdenführer Öcalan herausfinden. Weiters wollte ich erkunden, ob Reisebüros vom Tauchen auf den Malediven wegen des Korallensterbens abraten („Konsument“ 6/99). Gleich vorweg: Das Ergebnis war nicht gerade überzeugend. Das erste Büro in Wien handelt überwiegend mit Restplätzen. Die zwei jungen Mädchen an der Rezeption schauen mich erwartungsvoll an, als ich mich mit sorgenvoller Miene nach einem Badeurlaub in der Türkei erkundige. „Da besteht überhaupt keine Gefahr, die Clubs sind absolut sicher, Sie dürfen halt nicht in die Slums.“ Auf meinen Einwurf, dass Terroranschläge von Seiten der PKK bei einem Todesurteil für Öcalan angedroht worden sind, versucht mich die junge Dame freundlich lächelnd zu beruhigen: „Wenn Sie in New York sind, können Sie auch jederzeit abgeschossen werden. Außerdem ist das wie mit Slowenien und dem Kosovo, es handelt sich bei der Türkei schließlich um ein eigenständiges Land.“ Diesen Vergleich kapiere ich nicht, doch bevor ich fragen kann, hat sie mich schon an eine Kollegin verwiesen, die mir einen Reiseprospekt von Magic Life inklusive 10.000-Schilling-Gutschein in die Hand drückt.

Verdutzt mache ich mich zum nächsten Reisebüro auf. Zwar wird das Sicherheitsrisiko angesprochen, aber gleichzeitig stark verharmlost. „Wenn bis zur Verhandlung alles ruhig bleibt, ist wohl nichts mehr zu befürchten. Schließlich ist es kein Krisengebiet wie der Kosovo. Es kommt auch immer auf den Einzelnen an“, erklärt mir die junge Frau. „Sind Sie ein ängstlicher Typ, dann lassen Sie es sein, aber sonst… Ich fahre selber im August hin.“ Als Angsthase möchte ich nicht dastehen und beeile mich daher einzuwerfen, dass ja schließlich überall etwas passieren könnte.

Als ich sie auf das Tauchen auf den Malediven und das Korallensterben anspreche, fällt die Antwort viel differenzierter aus. „Die nächsten drei bis fünf Jahre können Sie vergessen. Erst ab zehn Meter sind die Korallen wieder bunt. Für Schnorchler also nicht geeignet“, sagt sie bestimmt. „Allerdings reichen manchen Menschen ja bunte Fische“, wirft die junge Frau verschmitzt lächelnd ein. Irritiert bedanke ich mich und steuere mein nächstes Ziel an.

Auch hier sind die Auskünfte zur Türkei eher ungenau. „Eine Garantie kann ich Ihnen nicht geben, aber bleiben Sie in den Clubs, da passiert sicher nichts. Die würden sich ja sonst die ganze Wirtschaft zusammenhauen“, betont die Verkäuferin. Sie überschüttet mich mit Werbematerial. Ganz geheuer scheint ihr die Sache dann doch nicht zu sein. „Kleine Hotels würde ich meiden, und gehen Sie nicht aus den Clubs hinaus“, betont sie noch einmal. Als ich sie auf den Widerspruch anspreche, wiegelt sie sofort ab. „Ist nur eine reine Vorsichtsmaßnahme.“ Auf die Malediven angesprochen, antwortet sie mit „keine Ahnung“ und verspricht, sich telefonisch zu erkundigen.

Auch im vierten Bezirk das gleiche Spiel. Die sehr junge Angestellte schaut mich verständnislos an, als ich über meine Türkei-Angst spreche. „Kollegen von mir waren in diesem Jahr dort. Zwar kann ich keine Garantie geben, aber abraten würde ich auf keinen Fall, es sei denn, Sie sind ängstlich“, sagt sie. Natürlich bin ich das nicht, trotzdem hake ich noch drei Mal nach, bekomme aber immer die gleiche Antwort. „Passieren kann überall etwas.“ Auch über die Malediven erfahre ich Erstaunliches: „Die regenerieren sich schon wieder, Sie können ruhig hinfahren.“ Jetzt schaue ich wirklich verblüfft, und mir kommen langsam Zweifel, wer von uns beiden mehr Ahnung hat.

Bewertung

Wertung: 0 von 5 Sternen
Weiterlesen
Bild: KONSUMENT.at auf Facebook - Jetzt Fan werden!