Spielzeugkauf

Schadstoffe und Kleinteile

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veröffentlicht: 10.12.2010

Inhalt

Aktuelle Tests und Rückrufaktionen belegen: Spielzeug für Kleinkinder ist häufig mit Schadstoffen belastet oder gefährlich, weil Kleinteile verschluckt werden können. Worauf müssen Konsumenten beim Spielzeugkauf achten?

Erst vor wenigen Wochen hat wieder ein Test der deutschen Stfitung Warentest für Schlagzeilen gesorgt. 50 Spielartikel – Puppen, Plüschtiere, Bausteine, Spiele, usw. – für Kinder unter 3 Jahren waren untersucht worden: Nur acht von ihnen waren frei von Schadstoffen.

Schadstoffe in vier von fünf Spielsachen

Über 80 Prozent waren demnach mit Schadstoffen belastet, zwei Drittel sogar stark. Die am häufigsten gefundenen Schadstoffe waren

  • Formaldehyd (Krebsverdacht)
  • Nickel (Allergie)
  • Nonylphenol (hormonelle Wirkung)
  • PAK (polyzykliche aromatische Kohlenwasserstoffe – Krebserreger, Erbgutschädigung)
  • Phthalate (Leberschädigung, Fortpflanzungsgefährdung)
  • Schwermetalle (Schäden an Gehirn, Nieren, …) sowie
  • zinnorganische Verbindungen (u.a. Immunschädigung).

PAK, eine Schadstoffgruppe, die über Weichmacheröle oder Lacke ins Spielzeug gelangt, wurde beispielsweise in 34 Produkten nachgewiesen, darunter in fast allen Plüschtieren und in 11 von 15 Spielsachen aus Holz. Manche Produkte beinhalten einen regelrechten Giftcocktail aus Weichmachern und Schwermetallen.

Doch damit nicht genug: Neben den langfristig wirksamen Schadstoffen wurden auch Sicherheitsmängel entdeckt, die ein Kind unmittelbar in Lebensgefahr bringen. Fünf Artikel enthalten Kleinteile, die sich leicht lösen können, seien es eine Zunge, eine Kugel oder ein Paar Lederohren. Kleinkinder könnten sie verschlucken und daran ersticken.

Worauf können sich Eltern verlassen?

Die größte Gefahr droht von Billigprodukten, doch auch auf Marken ist kein Verlass. Im Test der Stiftung Warentest stammte ein Großteil der Spielsachen aus renommierten Häusern wie

  • Brio
  • Eichhorn
  • Mattel oder
  • Steiff.

Egal, ob Hochpreisartikel oder Billigware, 80 Prozent allen Spielzeugs wird heute in China produziert, das in den letzten Jahren immer wieder wegen seiner Produktionsbedingungen ins Kreuzfeuer der Kritik geraten ist.

CE-Zeichen: Hersteller erklärt, alle alle geltenden EU-Richtlinien einzuhalten
  
Das CE-Zeichen ist nur eine
Erklärung des Herstellers,
alle EU-Richtlinien einzuhalten


Keinerlei Sicherheit garantiert das CE-Zeichen. Alle 50 Produkte des besagten Tests haben es getragen. Das CE-Zeichen stellt lediglich die Erklärung des Herstellers dar, alle geltenden EU-Richtlinien einzuhalten. Wesentlich glaubwürdiger sind Prüfsiegel, die von einer unabhängigen Prüfstelle vergeben werden, etwa das GS-Zeichen ("Geprüfte Sicherheit"), oder diverse TÜV-Siegel (TÜV Rheinland, TÜV Süd,…). Ganz ausschließen lässt sich aber auch dann nicht, dass das geprüfte Produkt vielleicht doch eine Schwachstelle aufweist.

Geprüfte-Sicherheit-Zeichen
Geprüfte Sicherheit: Siegel
einer unabhängigen Prüfstelle


Auch die Deklaration der Herkunft ist natürlich keine Sicherheitsgarantie. Umgekehrt aber sollte man keine Produkte ohne Herkunftsangabe kaufen. Vertrauenswürdige Firmen werden wohl kein Problem damit haben, das Ursprungsland anzugeben.

Worauf sollten Eltern achten?

Kinderspielzeug: nicht unter drei Jahre
Warnhinweis "nicht geeignet für
Kinder unter drei Jahren"


Altersgemäß:
Nur altersgemäßes Spielzeug schenken! Spielzeug, das die speziellen Sicherheitsanforderungen für Kleinkinder nicht erfüllt, trägt häufig den Warnhinweis „nicht geeignet für Kinder unter 3 Jahren“ bzw. ein entprechendes Piktogramm (siehe Bild). Achten Sie darauf, dass das Spielzeug älterer Geschwister nicht in die Hand von Kleinkindern gelangt. 

Kanten und Teile: Spielzeug für Kleinkinder darf keine scharfen Kanten haben, ebenso wenig wie verschluckbare Teile – Kinder könnten daran ersticken. Batteriebetriebene Spielsachen besser vermeiden, die Batterien sind nicht immer kindersicher eingebaut und könnten verschluckt werden (Vergiftungsgefahr!). 

PVC-Hinweis
Polyvinylchlorid: Die Zahl 3 steht
für PVC.


Ohne PVC:
Plastik-Spielwaren sollten frei von PVC (Polyvinylchlorid) sein. Vor allem Weich-PVC ist bedenklich, weil es sehr wahrscheinlich gesundheitsschädliche Weichmacher (Phthalate) enthält. Die Kunststoffart wird häufig als Kennzahl in einem dreieckigen Symbol deklariert: die Zahl 3 steht dabei für PVC. 

Vollholz: Auch Holzspielzeug ist nicht generell unbedenklich. Vor allem geklebtes Holz aus Pressspan oder Sperrholz enthält häufig Schadstoff (etwa Formaldehyd im Kleber). Greifen Sie zu Vollholz, möglichst unlackiert und nur gewachst. Unbehandeltes Holz ist ebenfalls für Kleinkinder nicht geeignet, es ist ein Nährboden für Bakterien. 

Riechen, rütteln, fühlen: Überprüfen Sie die Artikel vor dem Kauf: Unangenehmer Geruch deutet auf Schadstoffe hin. Die Farbechtheit können Sie durch Rubbeln prüfen: Bleibt Farbe am Finger zurück, besser nicht kaufen. Außerdem sollten Sie auf scharfe Kanten und leicht ablösbare Einzelteile wie Knöpfe, Laschen oder Augen achten. 

Erst waschen: Vor der ersten Verwendung empfiehlt es sich, die Spielsachen mit warmem Wasser zu waschen, am besten im Geschirrspüler oder in der Waschmaschine bei niedriger Temperatur. Damit werden Rückstände von Chemikalien gelöst. Danach nochmals gründlich mit der Hand ausspülen!


Faires Spielzeug

Ebenso schwierig wie sicheres und schadstofffreies Spielzeug zu finden ist es, Spielzeug aufzutreiben, das unter menschenwürdigen Produktionsbedingungen hergestellt wurde. "Menschenwürdigen Produktionsbedingungen" heißt nicht zuletzt ohne Kinderarbeit. Leider gibt es kein Gütesiegel für faires Spielzeug.

Bei unserem Ethik-Test der Spielzeughersteller aus dem Jahr 2004 wurde dem dänischen Hersteller Lego noch die beste Performance zugestanden. Eindeutiges Schlusslicht war die Plüschtiererzeugung des US-Unterhaltungsmultis Walt Disney. Einschlägigen Berichten sozial engagierter Organisationen zufolge hat sich an dieser Positionierung nichts Grundsätzliches geändert, obwohl auch Lego zunehmend in China produzieren lässt.

Zuverlässig fair ist laut der Kampagne "Spielsachen-fair machen" nur Spielzeug, das entweder in den Weltläden angeboten wird, oder Holzspielzeug, das nachweislich in Österreich hergestellt wurde.

Bild: VKI