Banken, Zinsen, Konten

Hier riecht´s nach Gier

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KONSUMENT 2/2015 veröffentlicht: 29.01.2015

Inhalt

Auch andere Banken haben schöne Konten ... - "Kunde König“, ein satirischer Kommentar von Alois Grasböck.

KONSUMENT-Kolumnist Alois Grasböck
Alois Grasböck

Es ist gar nicht so lang her, da galt "Bank" als anderes Wort für "sehr seriös". Die Banken eröffneten in praktisch jedem Dorf Filialen und besetzten diese mit freundlichen Angestellten, die am Weltspartag Geschenke verteilten. Das war nett, und die Menschen verziehen ihnen, wenn die eine oder andere Filiale nicht gerade eine Wohltat für das Ortsbild war.

Milliarden in den Sand gesetzt

Doch dann verdüsterte sich das Bild zusehends. Man hörte von Banken, die Milliarden in den Sand gesetzt haben, und man hörte von Bankleuten, die aberwitzig hohe Gehälter kassierten. Bald wurde klar, dass nicht nur die faulen Kredite zum Himmel stinken, sondern auch die zügellose Gier diverser Finanzleute. Kein Wunder, dass in vielen Köpfen die Grenzen zwischen Banker und Abzocker verschwimmen. Sicher besteht die Finanzwelt bei Weitem nicht nur aus Größenwahnsinnigen, Hasardeuren und Unfähigen, aber das Misstrauen ist groß und verständlich.

Für wen arbeitet das Geld?

Alle, die unschuldig ins schiefe Licht geraten sind, können sich bei denen bedanken, die den guten Ruf ruiniert haben. Die Steuerzahler müssen viel Geld für kaputte Banken zahlen, und was ihnen bleibt, landet zumeist auch bei einer Bank, aber wenigstens auf ihrem eigenen Konto. Einst gab es die Redewendung, man solle "das Geld arbeiten lassen", doch davon kann keine Rede mehr sein. Für die Sparer arbeitet das Geld nicht mehr! Es schrumpelt bei winzigen Zinsen zusammen, während die Kaufkraft entweicht wie die Luft aus einem defekten Autoreifen. Arbeitet Geld gar nicht mehr? Doch, es zeigt durchaus Muskeln, aber für die Banken.

"Hier riecht‘s nach Gier – nicht mit mir!"

Sobald jemand sein Konto überzieht, bläst sich der Zinsfuß brutal auf ein Vielfaches auf und kickt den Kontobesitzer zusätzlich ins Minus. Theoretisch könnte man sich mit dem Gedanken trösten, dass Banken, die auf diese Weise viel verdienen, wenigstens nicht vom Staat gerettet werden müssen. Aber so duldsam möchte man doch nicht sein. Besser ist es, im Fall des Falles zu sagen: „Hier riecht‘s nach Gier – nicht mit mir!“ Nicht jeder Überzieher muss sein, und andere Banken haben auch schöne Konten.

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Kommentare

  • Sollzinsen
    von REDAKTION am 11.02.2015 um 12:07

    Wir haben dazu folgenden Artikel:
    www.konsument.at/sollzinsen022015

    Ihr KONSUMENT-Team

  • Vertrauen
    von zai am 11.02.2015 um 11:51
    Die Erste Bank hat mir vor kurzem über einen Kontoauszug mitgeteilt, dass aufgrund des "generell niedrigen Zinsniveaus" der Habenzinssatz auf einem meiner Konten von 0,125% auf 0,010% (!!!) gesenkt wird, wenn ich nicht innerhalb von 2 Monaten Einspruch dagegen erhebe. Wenn der Trend so weitergeht, werden Habenzinsen bald Geschichte sein. Umgekehrt beträgt der Sollzinssatz 12,75% und der Verzugszinssatz 5%, von den Kontoführungsgebühren und sonstigen Spesen einmal abgesehen! Wenn das Zinsniveau so niedrig ist, warum werden dann nicht auch die Soll- und Verzugszinsen gesenkt? Auch das Instrument der Erklärungsfiktion halte ich in diesem Zusammenhang für fragwürdig, mir ist jedoch keine Bank bekannt, die diese Vorgehensweise nicht über ihre AGBs absichert. Wenn du ein Konto bei einer Bank eröffnest, musst du dich mit den AGBs einverstanden erklären oder du gehst woanders hin. Nur woanders ist es auch nicht anders, da sind sich alle einig. Dass eine Bank auf diese Weise die Habenzinsen erhöht, habe ich allerdings noch nie erlebt, komisch?! Vertrauen in die Banken habe ich schon lange keines mehr und sie tun alles dafür, dass es nicht wieder zurückkehrt!
  • Sowieso eine Frechheit!!!
    von ennsi am 03.02.2015 um 12:07
    Wieso bekommt man einen Dreck an Zinsen aber wenn man einmal überzieht sind gleich 13,5% fällig (BAWAG/PSK)???? Habenzinssatz 0,125 % Sollzinssatz 13,25%
  • Gier - nixht mit mir
    von gsv am 29.01.2015 um 19:58
    Läßt sich leider nicht mehr verhindern. Die Banken haben es geschafft, dass Bargeld nicht mehr wichtig ist. Früher kostete die Kontoführung solange das Konto im Plus war nichts. Heute erledigt man alles selbst am PC und zahlt noch dafür. Ich fühle mich veräppelt. Aber diese Form von Sklavenarbeit wird nicht bestraft.
Bild: Das KONSUMENT-Geschenk-Abo