Bankomatgebühr

Man probiert's

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KONSUMENT 9/2011 veröffentlicht: 27.06.2011

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Das Abheben am Bargeldautomaten ist in Österreich grundsätzlich kostenlos. Doch einige Banken führen Gebühren ein.

Wer beim Raiffeisenverband Salzburg ein Konto hat, wird ab 1. Oktober zur Kasse gebeten, wenn er Geld an einem Bankomaten behebt, der nicht zu Raiffeisen gehört. Für die Behebung werden 80 Cent fällig.

Kein Einzelfall

Das ist nicht der erste Versuch dieser Art. Bereits im November 2009 startet die Raiffeisenlandesbank Tirol einen ersten Versuchsballon und führte eine Gebühr von 60 Cent für die Barbehebung bei „fremden“ Bankomaten ein. Wie befürchtet, zogen andere Banken nach. Die Raiffeisenbank Region Ried im Innkreis beispielsweise. Sie verlangt seit 5. Februar 2010 ein Entgelt für die Bargeldbehebung bei Fremdbanken in Höhe von 41 Cent.

Rechtlich gedeckt

Über die Umstellung wurden die jeweiligen Bankkunden auf den Kontoauszügen informiert. Wenn dieser Änderung nicht binnen zwei Wochen schriftlich widersprochen wird, gilt dies als Zustimmung. Diese Form der Vertragsänderung ist zwar alles andere als kundenfreundlich, rechtlich allerdings grundsätzlich zulässig. Es ist anzunehmen,  dass diesen Gebührenerhöhungen weitere folgen werden.

Widersprechen oder Bank wechseln

Wer eine solche Verständigung über eine Gebühr beim Geldabheben bekommt, sollte jedenfalls den geplanten Änderungen widersprechen. Bei einer Nichtzustimmung ist die Bank grundsätzlich berechtigt, die Geschäftsbeziehung aufzukündigen. Es ist abzuwarten, ob sie von dieser Möglichkeit Gebrauch macht.

Auf alle Fälle kann ein Wechsel der Kontoverbindung in Erwägung gezogen werden. Dieser kann auch als Druckmittel dienen, um bessere Konditionen herauszuholen. Wie unsere Erhebungen zeigen, funktioniert das Wechseln der Bank meist problemlos. Allerdings werden Herr und Frau Österreicher hier eher selten aktiv: Nur äußerst wenige sind bereit, das Konto bei einer anderen Bank zu eröffnen.

Kontoauswahl mit dem Bankenrechner

Bei der Auswahl eines geeigneten Kontos hilft der Bankenrechner der Arbeiterkammer.

Einfach das gewünschte Konto (Gehalts- Pensions- …), Nutzertyp (Wenig- oder Vielnutzer), Überziehungsrahmen und gewünschte Verrechnung (einzeln, pauschal) eingeben und schon erhalten Sie die für Sie geeigneten Konten, gereiht nach Kosten.

Keine Kleinigkeit

Derzeit zählt man in Österreich rund 130 Millionen Bankomatabhebungen pro Jahr. Unter der Annahme, dass 50 Millionen Behebungen pro Jahr bei einer fremden Bank erfolgen, macht dies bei einer Gebühr von 50 Cent Einnahmen von 25 Millionen Euro für die Geldinstitute. Rechnet man mit 80 Cent pro Behebung, kommt man auf einen Umsatz von 40 Millionen Euro. Hier stimmt die Gesamtkalkulation wohl eher für die Banken als für die Kunden und nicht umgekehrt, wie uns Bankenvertreter wissen lassen wollten.

 

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